Das historische Eisenwerk Tangerhütte in Sachsen-Anhalt, einst eine weltbekannte Industrielegende, soll für nur einen Euro verkauft werden. Die Stadt Tangerhütte hofft, damit einen Käufer für das heruntergekommene, aber denkmalgeschützte Gelände zu finden. Das Mindestgebot liegt bei einem Euro, wie aus dem Exposé hervorgeht.
Vom Bauerndorf zum Industriestandort von Weltruf
Das 1842 gegründete Werk machte ein kleines Bauerndorf in der Altmark zu einem bedeutenden Industriestandort. Über 1500 Menschen arbeiteten hier und gossen Produkte, die im deutschen Wirtschaftsboom des späten 19. Jahrhunderts stark gefragt waren: Straßenlaternen, Wendeltreppen, Badewannen und sogar ganze Teehäuschen. Zur Weltausstellung 1889 in Paris wurde ein Teehäuschen aus Tangerhütte berühmt und gewann die Goldmedaille. Der Pavillon steht heute im Stadtpark.
Zustand: akut sanierungsbedürftig und ruinös
Nach dem Ende der DDR verfiel das Gelände zum Lost Place. Die Scheiben sind gesplittert, roter Backstein ist überwuchert, Teile der Dächer eingestürzt und die Fassadengiebel instabil. Im Exposé heißt es: „Nach jahrzehntelangem Leerstand ist der Zustand der Hallen jedoch akut sanierungsbedürftig und als ruinös einzuschätzen.“ Der Käufer muss sich zur umgehenden Sicherung der denkmalgeschützten Fassaden verpflichten und deren langfristigen Erhalt in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde gewährleisten.
Geschichte und Zukunft als lebendiges Denkmal
Dr. Frank Dreihaupt vom örtlichen „Förderverein für Industriegeschichte“ erklärte: „Im Jahr 1842 entdeckten zwei Kaufleute und ein Ingenieur hier Eisenerzvorkommen und bekamen vom preußischen König die Konzession zum Abbau. Schon zwei Jahre später stand der erste Hochofen – das wäre heute unvorstellbar.“ Die Produkte wurden nach Japan, Ägypten und Argentinien exportiert. Wendeltreppen und Armaturen machten die Gießerei weltbekannt. Die Stadt hofft, dass das Areal als lebendiges Denkmal eine neue Zukunft findet. Gebote sind bis zum 30. September möglich.



