Die Geestferkel GmbH aus Wildeshausen in Niedersachsen, einer der größten Ferkelerzeuger Deutschlands, hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Delmenhorst ordnete am Mittwoch die vorläufige Insolvenzverwaltung an. 188 Mitarbeiter an 23 Standorten in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bangen um ihre Arbeitsplätze.
Traditionsunternehmen mit über 500 Jahren Geschichte
Die Familie Ahlers züchtet bereits seit dem Jahr 1500 Ferkel – mittlerweile in der 13. Generation. Das Unternehmen hält rund 21.900 Sauen und etwa 3.000 Mastschweine und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Euro. Alle Sauenställe erfüllen die Kriterien der Initiative Tierwohl, in die das Unternehmen hohe Summen investiert hat.
Gründe für die Pleite: Historischer Preisverfall
Der Absturz kommt nicht überraschend. Die Schweinebranche leidet unter einem historischen Preisverfall bei Fleisch, während die Kosten für Futter, Energie, Löhne und Finanzierung kontinuierlich steigen. Für ein Ferkel werden derzeit nur rund 30 Euro gezahlt, für ein Mastschwein etwa 1,40 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Laut Unternehmensangaben bedeute dies Verluste von mehr als 25 Euro pro Ferkel und über 50 Euro pro Mastschwein.
Geschäftsführer Jörn Ahlers kritisiert in einer Mitteilung scharf: „Der Landwirtschaft werden höhere Standards abverlangt. Wer dafür Millionen investiert und anschließend nicht einmal seine laufenden Kosten bezahlen kann, wird für sein Engagement wirtschaftlich bestraft.“ Er fordert von der Politik neue Preismodelle und einen festen staatlichen Bonus für tierwohlgerechte Haltung.
Rettungsversuch mit Insolvenzverwalter
Der vorläufige Insolvenzverwalter hat den Sanierungsexperten André Zimmermann hinzugezogen, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen und eine mögliche Rettung des Betriebs zu prüfen. Zimmermann warnt: „Viele Betriebe in der Schweinebranche leiden gleichzeitig unter massivem Preisverfall und hohen laufenden Kosten.“ Die Lage sei ernst, aber nicht aussichtslos.
Zukunft der Ferkelerzeugung in Deutschland ungewiss
Ahlers zeigt sich pessimistisch: „Wenn sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern, hat die Ferkelerzeugung in Deutschland kaum noch eine Zukunft.“ Die Insolvenz der Geestferkel GmbH könnte ein Signal für eine tiefgreifende Krise der gesamten Branche sein, die bereits seit Jahren unter Druck steht. Derzeit wird am Standort Wildeshausen und den weiteren Standorten nach Lösungen gesucht, um den Betrieb fortzuführen und Arbeitsplätze zu erhalten.



