In Deutschland werden extreme Waldbrandlagen immer häufiger. Um Einsatzkräfte in gefährlichen Situationen zu unterstützen, setzen Feuerwehr und Katastrophenschutz zunehmend auf moderne Technik. Ein vielversprechendes Hilfsmittel ist der ferngesteuerte Löschroboter „Superwolf HR1“.
Härtetest für den „Superwolf“ am Rotenfels
Ende Juni fand im Kreis Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) ein Härtetest für den Löschroboter statt. Am Rotenfels kämpften Einsatzkräfte über mehrere Tage gegen einen Waldbrand in einem schwer zugänglichen Naturschutzgebiet. Die Löscharbeiten wurden durch explodierende Weltkriegsmunition erschwert, sodass Feuerwehrleute viele Brandherde nicht gefahrlos erreichen konnten. Statt Menschen direkt in die Gefahrenzone zu schicken, wurde der rund 14 Tonnen schwere Spezialroboter eingesetzt.
Funktionsweise des „Superwolf HR1“
Der „Superwolf HR1“ ist kein klassisches Feuerwehrfahrzeug, sondern ein taktischer Einsatzroboter für besonders gefährliche Lagen. Die derzeit noch ferngesteuerte Kettenmaschine wurde speziell für Vegetations- und Waldbrände entwickelt. Perspektivisch soll sie mithilfe Künstlicher Intelligenz zunehmend autonom arbeiten. Der Roboter verfügt über leistungsstarke Wasserwerfer, kann Brandschneisen anlegen, Hindernisse beseitigen sowie Bäume fällen und zerkleinern. Dies ermöglicht es, Einsatzkräfte schneller an Brandherde heranzuführen oder Feuer auszubremsen. Dank Hybridantrieb, Wärmebildkameras und robuster Geländetechnik bewegt sich das Fahrzeug auch dort weiter, wo herkömmliche Löschfahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Nach Herstellerangaben lässt sich der Roboter aus sicherer Entfernung steuern und ist speziell für Einsätze konzipiert, bei denen Menschen einem hohen Risiko ausgesetzt wären.
Verbreitung und Kosten
Laut Oliver Rasche, Geschäftsführer von Alpha Robotics, existiert vom großen System derzeit erst ein vollständiges Setup. Dazu gehören der taktische Einsatzroboter Alpha Superwolf HR1, ein Trägerfahrzeug für eine 800 Meter lange formstabile Schlauchleitung sowie ein mobiles Leitstandfahrzeug. „Alle Komponenten wurden von unserem Unternehmen entwickelt und gebaut“, sagt Rasche. Gemeinsam mit der Feuerwehr des Landkreises Vechta werde das System im Rahmen einer Kooperation unter realen Bedingungen betrieben. Kleinere Systeme wie der „Alpha Wolf R1“ seien dagegen bereits in größerer Stückzahl im Einsatz – unter anderem in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Ukraine. Die Anschaffung eines kompletten Systems ist teuer: „Je nach Ausführung und Ausstattung ergibt sich daraus ein Preisbereich von etwa 2 bis 6 Millionen Euro“, erklärt Rasche. Der Roboter allein sei nicht ausreichend; erst im Zusammenspiel mit Begleitfahrzeugen und Schlauchsystemen entfalte er seine volle Leistungsfähigkeit.
Vorteile und Grenzen der Technik
Dr. Ulrich Cimolino, Leiter des Arbeitskreises „Waldbrand“ des Deutschen Feuerwehrverbandes, sieht in Löschrobotern eine wichtige Ergänzung. Besonders sinnvoll seien solche Systeme dort, wo Menschen nicht oder nur kurzzeitig eingesetzt werden können – etwa bei Gefahrguteinsätzen, Vegetationsbränden mit besonderen Risiken oder Flächen mit möglicher Munitionsbelastung. „Sie bieten immer dann einen Vorteil, wenn das Arbeiten mit Einsatzkräften vor Ort aufgrund der Gefährdungslage nicht oder nur so kurz wie möglich sinnvoll beziehungsweise zu verantworten ist“, erklärt der Experte. Rasche betont ebenfalls den Sicherheitsaspekt: „Im Mittelpunkt steht dabei immer die Sicherheit und Entlastung der Einsatzkräfte.“
Allerdings sind die Systeme nicht frei von Problemen. Cimolino verweist auf praktische Schwierigkeiten im Gelände. Ein Bediener müsse entweder über umfangreiche Kamerabilder verfügen oder sich in der Nähe in einem geschützten Fahrzeug befinden. „Sonst können sich die ferngesteuerten Fahrzeuge im Wald sehr schnell festfahren“, sagt Cimolino. Besonders kompliziert werde es, wenn Schläuche über lange Strecken durch unübersichtliches Gelände gezogen werden müssen. Rasche sieht die größten Herausforderungen nicht nur in der Technik selbst. Die Einsatzumgebung der Feuerwehr sei äußerst komplex, sodass vollständig autonome Entscheidungen aktuell nicht ersetzt werden können. „Die Verantwortung für alle wesentlichen Entscheidungen liegt heute und auch in naher Zukunft weiterhin beim Menschen“, erklärt Rasche. Autonome Funktionen seien derzeit vor allem Assistenzsysteme.
Roboter bleiben Speziallösung
Verlässliche Zahlen, wie viele unbemannte Löschsysteme in Deutschland im Einsatz sind, gibt es laut Cimolino nicht. Unbemannte Technik werde bei Feuerwehren bereits seit Jahrzehnten genutzt – etwa stationäre Wasserwerfer oder mobile Systeme für verschiedene Spezialaufgaben. Trotzdem erwartet Cimolino nicht, dass Roboter bald flächendeckend Feuerwehrfahrzeuge ersetzen werden. „Es wird auch in 50 Jahren noch eine, durchaus sinnvolle, seltene Speziallösung sein“, sagt er. Mit Blick auf Vegetations- und Waldbrände sieht Cimolino Nachholbedarf bei der Ausstattung von Feuerwehren. Benötigt würden unter anderem mehr geländegängige Fahrzeuge, geschützte Spezialtechnik und bessere Strukturen für überregionale Einsätze. Gerade in Gebieten mit Munitionsverdachtsflächen seien spezielle Lösch- und Räumfahrzeuge nötig. Auch die Ausbildung müsse angepasst werden: Jede Einsatzkraft brauche mehr Grundlagenwissen zur Vegetationsbrandbekämpfung.
Klimawandel verschärft die Lage
Die Anforderungen an die Feuerwehrleute steigen auch durch den Klimawandel. „Wärmere, trockenere Perioden führen automatisch zu größerer Trockenheit, dies zu größeren Gefahren in der Entzündung von Bränden und in der schnelleren Ausbreitung“, sagt Cimolino. Bei dynamischen Einsatzlagen wie Vegetationsbränden habe das Wetter einen entscheidenden Einfluss. „Jede Veränderung der Wetterlagen hat Folgen“, so der Experte. Die Zukunft der Waldbrandbekämpfung dürfte aus einer Kombination bestehen: besser ausgebildete Einsatzkräfte, mehr Spezialfahrzeuge – und gezielt eingesetzte Roboter. „Sie sind durchaus ein wichtiger Bestandteil beziehungsweise Baustein der Möglichkeiten für bestimmte Einsatzlagen“, sagt Cimolino. Entscheidend sei aber, dass Feuerwehren ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen.



