Der Chef des Satellitenunternehmens MBS, Sven Sünberg, hat die Beschaffungspolitik der Bundeswehr scharf kritisiert. In einem Interview mit dem SPIEGEL forderte er eine Neuausrichtung, die den Mittelstand stärker einbezieht. „Die Regierung sollte sich einfach an meiner Oma orientieren“, sagte Sünberg. „Die kauft nicht immer nur beim teuersten Anbieter, sondern schaut, wo sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt.“
Kritik an Großkonzernen
Sünberg, dessen Firma MBS auf Satellitenkommunikation spezialisiert ist, bemängelte, dass die Bundeswehr bei der Aufrüstung im All fast ausschließlich auf große Konzerne wie Airbus setze. „Da wird dieses Konsortium enttäuschen“, prophezeite er mit Blick auf die dominierenden Anbieter. Der Mittelstand bleibe außen vor, obwohl er oft innovativer und flexibler sei. „Wir haben in Deutschland exzellente kleine und mittlere Unternehmen, die hochmoderne Satellitentechnik entwickeln – aber sie kommen bei Ausschreibungen nicht zum Zug.“
Forderung nach Reform der Beschaffung
Der Raumfahrtmanager plädierte für eine grundlegende Reform der Beschaffungsprozesse. „Die Bundeswehr muss ihre Anforderungen öffnen und auch kleineren Firmen eine Chance geben“, so Sünberg. Er verwies auf Beispiele aus den USA, wo Start-ups und Mittelständler erfolgreich an Rüstungsprojekten beteiligt würden. „Dort ist man viel agiler. Hierzulande ersticken wir in Bürokratie.“ Konkrete Zahlen nannte er nicht, betonte aber, dass eine stärkere Einbindung des Mittelstands zu erheblichen Kosteneinsparungen führen könnte.
Bedeutung für die nationale Sicherheit
Sünberg unterstrich die strategische Bedeutung einer diversifizierten Satelliteninfrastruktur für die Bundeswehr. „Im Verteidigungsfall dürfen wir nicht von einem einzigen Großkonzern abhängig sein“, warnte er. „Das wäre ein Sicherheitsrisiko.“ Er forderte die Politik auf, endlich zu handeln: „Wir reden seit Jahren über die Notwendigkeit, den Mittelstand zu stärken – aber in der Praxis passiert nichts.“ Das Interview erschien in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL (30/2026).



