Die Inflation in den USA hat im Juni deutlich nachgelassen. Die jährliche Teuerungsrate fiel auf 3,5 Prozent, wie die Statistikbehörde am Dienstag mitteilte. Volkswirte hatten mit 3,8 Prozent gerechnet. Im Mai lag die Rate noch bei 4,2 Prozent.
Kerninflation sinkt ebenfalls
Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, ging auf 2,6 Prozent zurück, nach 2,9 Prozent im Vormonat. Damit bleibt die Teuerung jedoch deutlich über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) von 2,0 Prozent.
Die Fed achtet besonders auf den Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE-Index). Dessen Kernrate stieg im Juni auf 3,4 Prozent, angetrieben durch den Energiepreisschub infolge des Iran-Kriegs. Die jüngsten Eskalationen im Iran-Krieg sind in den aktuellen Zahlen allerdings noch nicht berücksichtigt.
Hohe Inflation belastet Trump vor Kongresswahlen
Die hohen Energiepreise, insbesondere für Benzin, sind für US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der Kongresswahlen im November ein innenpolitisch heikles Thema. Die USA lockerten kurz nach Inkrafttreten des Rahmenabkommens mit dem Iran Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor, um die Märkte zu beruhigen, nahmen die Ausnahmegenehmigung jedoch zwei Wochen später wieder zurück.
Verliert Trumps republikanische Partei ihre knappe Mehrheit in einer der beiden Parlamentskammern, könnte der Präsident zentrale Vorhaben nicht mehr ohne Weiteres durchsetzen.
Fed erwägt Zinserhöhung
Die Fed äußerte bei ihrer letzten Sitzung Sorge über den starken Preisauftrieb. Direktoriumsmitglied Christopher Waller sagte, die Notenbank könnte die Zinsen möglicherweise bald anheben, sollte die Inflation weiterhin deutlich über dem Ziel verharren. „Die Geldpolitik befindet sich an einem Scheideweg“, so Waller. Der Leitzins liegt derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
Laut CME-Fedwatchtool teilt sich das Lager der Marktteilnehmer: Eine Hälfte glaubt an eine baldige Zinserhöhung, die andere an gleichbleibende Zinsen. Experten halten eine Anhebung im September für möglich. „Es gibt kaum Anleger, die eine weitere Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank für vollkommen unmöglich erachten“, sagt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorbank.
Kommunikation der Fed im Fokus
Maximilian Wienke von eToro betont: „Kurzfristig dürfte die Kommunikation der Fed wichtiger sein als einzelne Wirtschaftsdaten.“ Harte Töne vom neuen Fed-Chef Kevin Warsh würden Dollar und Anleiherenditen nach oben treiben – auf Kosten von Technologiewerten. Am Dienstag spricht Warsh im Kongress im Rahmen einer halbjährlichen Anhörung. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Notenbank zu reformieren und die Inflation in den Griff zu bekommen.



