Berliner Konjunktur am Tiefpunkt: IHK-Umfrage offenbart düstere Lage
Berliner Konjunktur am Tiefpunkt: IHK-Umfrage düster

Die Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin zur wirtschaftlichen Lage in der Hauptstadt fällt ernüchternd aus. Statt des erhofften Aufschwungs hat sich die Stimmung der Unternehmen weiter verschlechtert. IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner zog einen medizinischen Vergleich: „Berlin ist langzeiterkrankt.“ Die repräsentative Umfrage unter 830 Unternehmen zeigt einen Konjunkturklimaindex von nur 100 Punkten – genau auf dem Nullpunkt, an dem sich positive und negative Einschätzungen die Waage halten. Damit liegt der Wert deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von knapp über 120 Punkten. „Unterschritten wurde dieser Wert bisher nur während der Finanzmarktkrise 2009, der Coronakrise 2020 und der Energiekrise 2022“, heißt es im Bericht.

Erwartungen noch pessimistischer als aktuelle Lage

Besonders besorgniserregend sind die Erwartungen für die kommenden Monate, die noch negativer ausfallen als die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Ein Grund dafür ist der Iran-Krieg, der die Risiken steigender Preise für Rohstoffe und Energie deutlich erhöht hat. So sehen 50 Prozent der Unternehmen ein Energiepreisrisiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Der Fachkräftemangel bleibt mit 39 Prozent ein drängendes Problem. An der Spitze der Risikobewertung stehen jedoch die „wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ am Standort (66 Prozent) und der Inlandsabsatz (57 Prozent). An dritter Stelle liegen die Arbeitskosten (53 Prozent).

Industrie und Baugewerbe besonders betroffen

In der Industrie, dem Kern der Wertschöpfungskette, bewerten nur noch 29 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut – ein Rückgang um neun Prozent. 49 Prozent, also fast die Hälfte, bezeichnen die Lage als befriedigend, 22 Prozent als schlecht. Zu Jahresbeginn lag der Anteil der Unternehmen mit schlechter Lageeinschätzung noch bei 14 Prozent. Ähnlich düster sind die Aussichten im Baugewerbe und im Handel. Bei den Erwartungen für die kommenden Monate zeigt sich die Industrie gespalten: 27 Prozent der Unternehmen glauben an eine Besserung, 21 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung, während rund die Hälfte mit gleichbleibender Entwicklung rechnet. Im Baugewerbe dominiert mit 71 Prozent die Einschätzung einer Seitwärtsbewegung; 12 Prozent erwarten eine Besserung, 18 Prozent eine Verschlechterung.

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Appell an die Politik: Aufbruchsignale gefordert

„Wir brauchen endlich Aufbruchsignale“, forderte Schreiner. Sie plädierte dafür, dass sich Berlin um Großereignisse wie Olympische Spiele, die Expo oder eine Internationale Bauausstellung bewirbt. „Das kann Berlin.“ Zudem sollten Bürokratieabbau und mehr Tempo beim Wohnungsbau ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Schreiner zeigte sich frustriert über die mangelnde Umsetzung: „Bei allem, was wir sagen, habe ich das Gefühl, dass es nicht bei der Politik ankommt. Die Bundesregierung bringt es auch nicht auf die Straße, das setzt sich in der Landespolitik fort.“

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