Am Sonntagabend endete die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter des CSD-Anschlags in Berlin mit einem Polizeieinsatz. Der 21-jährige Abdul B. wurde in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau von Beamten erschossen, nachdem er ihnen mit einer Stichwaffe entgegengetreten war. Nach stundenlanger Suche hatte die Polizei den Mann aufgespürt, der im Verdacht steht, am Samstagabend einen Transporter in die Menschenmenge des Christopher Street Day (CSD) im Tiergarten gesteuert zu haben.
Augenzeugen schildern den Einsatz
Zwei Augenzeuginnen, Juliane Gotzler und Dagmar Euent, hielten sich zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes in der Kleingartenkolonie auf. „Und ich dachte, wieso stehen hier mehrere Polizisten?“, berichtete Gotzler dem SPIEGEL. Euent ergänzte: „Und dann sind zweimal hintereinander mehrere Schüsse gefallen. Also wir sind der Meinung: zwischen sechs und neun Schüssen insgesamt.“ Die Bewohner der Anlage waren völlig überrascht, dass sich der Gesuchte in ihrer Nachbarschaft versteckt hatte. Gotzler zeigte sich schockiert: „Dass in einer Kleingartenkolonie so ein Verbrecher ist – ich bin schon etwas schockiert darüber. Ja, muss ich ganz ehrlich sagen. Weil es ist ja in Mitte passiert und dann genau diese Kolonie, wo wir jetzt hier leben und uns eigentlich wohlfühlen, wird genutzt, um sich zu verstecken. Also das ist schon etwas makaber.“
Polizei bestätigt Tod des Tatverdächtigen
Florian Nath, Pressesprecher der Polizei, erklärte: „Der Tatverdächtige ist hier mit einer Stichwaffe bewaffnet auf die Kräfte zugelaufen. Deshalb kam es hier zum polizeilichen Schusswaffengebrauch. Im Zuge dieses Schusswaffengebrauchs hatte sich der Tatverdächtige so schwere Verletzungen zugezogen, dass er hier zwar von Notärzten noch reanimiert werden konnte, aber am Ort verstorben ist.“ Der Einsatz endete damit tödlich für den Gesuchten.
Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft
Die Generalbundesanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen und den Tod von Abdul B. Medienberichten zufolge bestätigt. Bei dem 21-Jährigen handelt es sich demnach um einen den Behörden bekannten Islamisten, der auch Sympathien mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gehabt haben soll. Am Samstagabend war er mit einem Transporter in den Berliner Tiergarten gefahren, wo zu diesem Zeitpunkt der CSD stattfand. Eine Frau starb. 29 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, sind laut Polizei aber mittlerweile außer Lebensgefahr. Die Hintergründe der Tat und mögliche Netzwerke werden nun intensiv untersucht. Der Anschlag hatte bundesweit Betroffenheit und politische Diskussionen ausgelöst.



