Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der Bundesbank im zweiten Quartal 2026 ein Mini-Wachstum erzielt – und das trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg und steigender Energiepreise. „Trotz des Gegenwinds durch den Krieg im Nahen Osten dürfte das reale BIP im zweiten Quartal 2026 saisonbereinigt etwas zugelegt haben“, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Das Statistische Bundesamt wird am Donnerstag, dem 30. Juli, erste Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für April bis Juni veröffentlichen. Volkswirte rechnen mit einem Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Mini-Wachstum trotz Krisen
Die Industriekonjunktur zeigt sich widerstandsfähig, analysieren die Bundesbank-Ökonomen. Die Unternehmen profitierten „von einer dynamischen Auslandsnachfrage und wachsenden Exporten“. Zudem könnte deutschen Exporteuren zugutegekommen sein, dass internationale Wettbewerber stärker von Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren. Diese robuste Entwicklung half, die negativen Effekte des Iran-Konflikts und der höheren Energiepreise abzufedern.
Verbraucher halten Konsum stabil
Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland ließen sich von den gestiegenen Energiepreisen und den damit verbundenen Kaufkraftverlusten offenbar wenig beeindrucken. Nach Analyse der Bundesbank hielten sie ihre Konsumausgaben mindestens stabil. Dies trug ebenfalls zum leichten Wirtschaftswachstum bei, obwohl die Teuerung die Realeinkommen schmälerte.
Inflationsausblick: Raten steigen wieder
Die Inflationsrate, die im Juni auf 2,3 Prozent gesunken war, dürfte in den kommenden Monaten wieder anziehen. „Dazu trägt vor allem bei, dass der Tankrabatt Anfang Juli auslief“, erläutert die Bundesbank. „Außerdem dürften sich allmählich die indirekten Effekte des jüngsten Energiepreisschubs auch auf der Verbraucherpreisstufe bemerkbar machen.“ Höhere Energiepreise wirken sich verzögert auf den gesamten Warenkorb aus, der der Inflationsberechnung zugrunde liegt. Die Bundesbank warnt daher vor einem Anstieg der Teuerungsrate im dritten Quartal.
Staatliche Investitionen stützen die Konjunktur
Gestützt wird die heimische Wirtschaft durch massive Milliardeninvestitionen des Staates in Straßen, Schienen und Verteidigung. Diese öffentlichen Ausgaben wirken als Konjunkturmotor und kompensieren einen Teil der krisenbedingten Belastungen. Ohne diese Impulse wäre das Wachstum wohl schwächer ausgefallen.
Ausblick: Abhängigkeit vom Iran-Konflikt
Die weitere konjunkturelle Entwicklung hängt nach Einschätzung von Ökonomen maßgeblich vom Verlauf des Iran-Konflikts ab. Die Bundesbank prognostiziert für das dritte Quartal: „Soweit die Situation im Nahen Osten sich nicht weiter zuspitzt, könnten die kriegsbedingten Belastungen geringer ausfallen als im Durchschnitt des zweiten Quartals.“ Allerdings würden sich dann auch die vorübergehend stützenden Faktoren aus dem zweiten Quartal umkehren oder entfallen. „In der Summe könnte das BIP dann etwas schwächer zulegen“, schränkt die Bundesbank ein. Die kommenden Monate bleiben somit spannend – sowohl geopolitisch als auch konjunkturell.



