Euro-Wirtschaft im ersten Quartal überraschend geschrumpft
Euro-Wirtschaft überraschend geschrumpft

Die Konjunktur in der Eurozone hat im ersten Quartal 2026 eine negative Überraschung bereitet. Wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Damit korrigierte Eurostat seine vorherige Schätzung von einem leichten Wachstum um 0,1 Prozent nach unten. Im Schlussquartal 2025 hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zugelegt.

Irland als Hauptbelastungsfaktor

Die Revision war absehbar, nachdem Irland seine Konjunkturdaten drastisch nach unten korrigiert hatte. Auf der Insel brach das BIP im ersten Quartal um 12,1 Prozent ein, während zunächst nur ein Minus von zwei Prozent gemeldet worden war. Grund für diesen Absturz sind Sondereffekte im großen multinationalen Sektor des Landes, insbesondere in der Pharmabranche.

Im Jahr 2025 war die irische Wirtschaft noch um 12,3 Prozent gewachsen. Der starke Anstieg der Pharmaexporte in die USA, angetrieben durch Lageraufstockungen aufgrund drohender Zölle und eine boomende Nachfrage nach in Irland hergestellten Wirkstoffen für Abnehmmedikamente, hatte damals für einen kräftigen Schub gesorgt. Dieser Effekt kehrte sich nun um.

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Expertenmeinung zur Konjunkturlage

Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon, kommentierte: „Insgesamt erschweren die irischen Zahlen die Interpretation des Konjunkturtrends in der Eurozone erheblich.“ Für die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Lage dadurch nicht einfacher. Sie dürfte am kommenden Donnerstag ihren Leitzins zum ersten Mal seit fast drei Jahren anheben.

EZB vor Zinserhöhung

Ökonomen rechnen fest damit, dass die Währungshüter den Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent erhöhen werden. Hintergrund ist die gestiegene Inflation: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist die Teuerungsrate vor allem wegen des hohen Ölpreises gestiegen. Lag sie im Februar noch bei 1,9 Prozent, waren es im Mai bereits 3,2 Prozent. Dies liegt deutlich über der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.

Höhere Zinsen könnten die wirtschaftliche Lage jedoch weiter belasten. Für die Eurozone erwartet die Industriestaaten-Organisation OECD im laufenden Jahr nur ein Wachstum von 0,8 Prozent, für 2027 von 1,2 Prozent.

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