Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli auf 86,6 Punkte gestiegen – der dritte Anstieg in Folge. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag mit. Damit hellt sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen trotz der unsicheren Lage im Nahen Osten weiter auf. Ifo-Chef Clemens Fuest sagte: „Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch.“
Uneinheitliche Lagebewertung, optimistischere Aussichten
Während die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas skeptischer beurteilen als im Vormonat, blicken sie bei den Geschäftsaussichten optimistischer nach vorn. Klaus Wohlrabe, Umfragechef des Ifo-Instituts, erklärte: „In dieser schwierigen Gemengelage ist das ein Lichtblick. Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen.“ Besonders die Erwartungen verzeichneten einen deutlichen Schub, so das Institut. In der zweiten Jahreshälfte dürfte das milliardenschwere Infrastrukturpaket der Bundesregierung allmählich Wirkung entfalten.
Industrie aufgehellt, Chemie trübt sich ein
Vor allem in der Industrie hat sich die Stimmung verbessert. „Die Betriebe berichten von einer verbesserten Nachfrage“, sagte Wohlrabe. Dies betreffe nahezu alle großen Branchen wie Auto- und Maschinenbau. Eine Ausnahme bildet die Chemieindustrie, wo der Pessimismus zunahm – laut Wohlrabe getrieben von steigenden Ölpreisen. Diese treiben auch die Preiserwartungen in der Gesamtwirtschaft nach oben. „Viele Unternehmen sind auf Preiserhöhungen gewechselt“, so Wohlrabe. „Auch hat die Unsicherheit wieder zugenommen, und zwar branchenübergreifend.“ Von echtem Optimismus sei die Wirtschaft noch weit entfernt.
Ölpreise und Straße von Hormus als Risikofaktoren
Im Nahen Osten waren die Kampfhandlungen zwischen den USA und Iran zwischenzeitlich wieder aufgeflammt und hatten die Ölpreise in die Höhe getrieben. Die Straße von Hormus, eine für die internationalen Lieferketten entscheidende Passage für Öl-, Gas- und Rohstofftransporte, ist noch lange nicht wieder so passierbar wie vor dem Konflikt. Eine tragfähige Öffnung der Schiffspassage gilt als wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Erholung.
Experten warnen vor voreiligem Optimismus
Ökonomen bleiben zurückhaltend. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer warnte: „Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagefähig“, da die meisten Unternehmen die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der vergangenen Wochen beantwortet hätten. Dennoch zeige der Anstieg, „welches Erholungspotenzial vorhanden ist“, so Krämer mit Blick auf eine mögliche Einigung zwischen den USA und Iran. Allerdings rechnet er auch im zweiten Halbjahr mit einer Belastung der Konjunktur durch hohe Energiepreise.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bank Bethman HAL, formulierte es noch vorsichtiger: „Im tiefen Keller brennt noch Licht – auf dem niedrigen Niveau ist die bessere Stimmung aber kaum wahrnehmbar.“



