Die deutsche Wirtschaft verliert zunehmend an Substanz. Obwohl die digitale und klimaneutrale Transformation dringend notwendig wäre, investieren die Unternehmen kaum. Das Kiel-Institut für Weltwirtschaft hat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturprognose dargelegt, dass die Ausrüstungsinvestitionen im laufenden Jahr um 1,2 Prozent sinken werden. Darunter fallen insbesondere Ausgaben für Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge.
Für das kommende Jahr wird zwar ein Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 4,4 Prozent erwartet, doch dieser ist fast ausschließlich auf den öffentlichen Sektor und dessen zusätzliche Ausgaben für die Verteidigungsfähigkeit zurückzuführen. Im Privatsektor hingegen bessert sich die Lage laut den Kieler Ökonomen keineswegs. Die Investitionen blieben über den gesamten Prognosezeitraum hinweg niedriger als noch vor drei Monaten angenommen. In der Prognose ist von „sehr verhaltenen Unternehmensinvestitionen“ die Rede.
Wachstumsprognose nach unten korrigiert
Die sich verschärfende Investitionskrise ist der Hauptgrund für die deutliche Abwärtskorrektur der Wachstumsprognose durch das Kiel-Institut. Für das laufende Jahr erwarten die Ökonomen weiterhin ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent, was vor allem auf den überraschend starken Jahresstart zurückzuführen ist. Im kommenden Jahr werden die Folgen der Investitionskrise jedoch deutlicher sichtbar. Während vor drei Monaten noch ein Wachstum von 1,4 Prozent prognostiziert wurde, sind es nun nur noch ein Prozent.
Im ersten Quartal legten die privaten Ausrüstungsinvestitionen noch um drei Prozent zu. Für das zweite Quartal deuten Frühindikatoren jedoch auf einen Rückgang hin: Das Geschäftsklima lag im April und Mai unter dem Niveau des Vorquartals, und die Produktion der Investitionsgüterhersteller war im April niedriger als im Vorquartal. Das Kiel-Institut erwartet daher für das zweite Quartal einen Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen um 1,2 Prozent. Im dritten und vierten Quartal sind allenfalls moderate Anstiege zu erwarten.
Belastende Faktoren für Unternehmen
Die Unternehmen leiden unter anderem unter den gestiegenen Energiepreisen infolge des Irankriegs. „Hierbei wirken eine gedämpfte Nachfrage, geringere Gewinnmargen sowie eine erhöhte Unsicherheit zusammen“, heißt es in der Konjunkturprognose. Hinzu kommen strukturelle Hemmnisse, insbesondere für die Industrie, wie niedrige Auftragseingänge.
Bauinvestitionen steigen kurzfristig
Einziger Lichtblick im zweiten Quartal sind die Bauinvestitionen, die um 2,6 Prozent zulegen sollen. Dies ist vor allem auf Nachholeffekte aufgrund der außergewöhnlich schlechten Witterung im ersten Quartal zurückzuführen. Die gestiegene Kapazitätsauslastung der Bauunternehmen und die höhere Bauproduktion deuten auf eine kurzfristige Erholung hin. Für die Jahre 2026 und 2027 erwartet das Kiel-Institut jedoch nur moderate Zuwächse von 0,3 und 1,9 Prozent.
Positive Impulse könnten von steigenden Wohnungsbaukrediten, höheren Auftragseingängen und zusätzlichen öffentlichen Investitionen ausgehen. Dem entgegen wirken jedoch die hohen Baustoffkosten, die ebenfalls eine Folge des Irankriegs sind, sowie gestiegene Baufinanzierungszinsen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) dürfte laut Kiel-Institut nur begrenzte Impulse liefern, da die Kommunen bereits unter finanziellen Engpässen leiden. Mit dem SVIK würden daher zunächst vorrangig bereits geplante Projekte finanziert.



