Niedrigster Rheinpegel seit 500 Jahren: Wirtschaft und Schifffahrt leiden
Niedrigster Rheinpegel seit 500 Jahren: Wirtschaft und Schifffahrt leiden

Der Rheinpegel in Kaub ist am Dienstag auf 30 Zentimeter gefallen, für Samstag werden nur noch 24 Zentimeter prognostiziert. Damit droht der niedrigste Stand seit dem Rekord von Oktober 2018 (25 Zentimeter) und möglicherweise der niedrigste seit dem „Jahrtausendsommer 1540“, als der Fluss nach elf Monaten Mega-Dürre stellenweise zu Fuß durchquert werden konnte. Auch in Köln liegt der Pegel mit aktuell 79 Zentimetern bereits deutlich unter dem Mittel, für Samstag werden 67 Zentimeter erwartet – genau der Wert von 2018.

Schifffahrt nur noch eingeschränkt möglich

Die niedrigen Wasserstände setzen der Binnenschifffahrt massiv zu. Andreas Grzib, Vorstand der Deutschen Transport Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG), erklärt gegenüber BILD: „Die Schiffe können derzeit nur noch rund ein Viertel der üblichen Ladung aufnehmen“ – noch deutlich weniger als vor zwei Wochen. „Manche Schiffe fahren schon nicht mehr rheinaufwärts. Wir bewegen uns Richtung Rekordniedrigstände. Die Lage hat sich noch einmal deutlich verschärft.“ Auch andere Flüsse wie Elbe, Donau, Main, Oberweser, Mosel und Spree melden beeinträchtigte Schifffahrt. Der Bodensee, wichtig für den Rhein, lag am Dienstag mit 293 Zentimetern 128 Zentimeter unter dem Jahresmittel – Tendenz fallend.

Frachtkosten explodieren – Wirtschaftsleistung gefährdet

Die Folgen sind bereits spürbar: Laut Händlern sind die Kosten für eine Tonne Fracht von Rotterdam nach Karlsruhe von 45 Euro Ende Juni auf jetzt bis zu 125 Euro gestiegen. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt, das Niedrigwasser könnte die deutsche Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um bis zu 0,2 Prozent drücken. Da für den Sommer nur ein leichtes Plus von 0,2 Prozent erwartet wird, droht für Europas größte Volkswirtschaft faktisch eine Stagnation. IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths betont: „Die Materialflüsse für das verarbeitende Gewerbe sind durch die herabgesetzte Transportleistung behindert.“ Betroffen seien unter anderem Erz, Öl, Benzin, Kohle und Getreide.

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Personenschifffahrt stellt Fahrten ein

Auch die Personenschifffahrt leidet. Nina Luig, Geschäftsführerin der Köln Düsseldorf (KD) Schifffahrt, berichtet: „Das sind schon sehr niedrige Wasserstände. Derzeit fahren fünf unserer insgesamt 15 Schiffe nicht. Wir fahren noch flussabwärts Richtung Leverkusen und machen Rundfahrten in Köln, aber am Mittelrhein fahren wir gar nicht mehr, unter anderem in Koblenz, Bonn und Mainz.“

Keine Besserung in Sicht – Hitzeglocke über Mitteleuropa

Die Aussichten bleiben düster: Die nächsten Tage sollen heiß und trocken werden, mit örtlich bis zu 40 Grad Celsius. Meteorologe Dominik Jung prognostiziert: „Über Mitteleuropa baut sich eine regelrechte Hitzeglocke auf – ein Hoch, das sich festsetzt und die Luft immer weiter aufheizt.“ Das verschärfe die Trockenheit und lasse die Waldbrandgefahr wieder ansteigen. Die Branche blickt voller Sorge auf den Bodensee, das Saarland, die Schweiz und Frankreich. Nur wenn es dort ausgiebig regnet, könnten die Pegel wieder steigen – doch für die nächsten Tage ist kein länger anhaltender Regen in Sicht.

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