Staus aus dem Nichts: Experte erklärt Ursachen und Lösungen
Staus aus dem Nichts: Ursachen und Lösungen

Kein Unfall, keine Baustelle – und dennoch staut es sich auf der Autobahn. Dieses Phänomen kennt fast jeder Autofahrer. Der Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen erklärt, wie solche Staus aus dem Nichts entstehen und was jeder Einzelne tun kann, um sie zu vermeiden.

Überlastung als Hauptursache

Laut Schreckenberg entstehen die meisten dieser Staus durch schiere Überlastung. „Es sind zu viele Fahrzeuge zur selben Zeit auf derselben Strecke unterwegs“, sagt der Physiker. An bestimmten Stellen wie Anschlussstellen oder Steigungen erhöht sich die Dichte, weil Fahrzeuge langsamer werden. Wird ein Auto zum Bremsen gezwungen, bremsen auch die nachfolgenden Fahrzeuge, bis eines schließlich stehen bleibt. So entstehen Stauwellen, die sich mit etwa 12 bis 15 km/h entgegen der Fahrtrichtung nach hinten bewegen. „Sie kommen dem fließenden Verkehr quasi entgegengerollt“, so Schreckenberg. Diese Wellen können sich über eine halbe bis ganze Stunde halten und sich sogar über Autobahnkreuze auf andere Autobahnen ausdehnen.

Gefährliche Pumpwirkung

Das Tückische an diesen Stauwellen ist ihre pumpenartige Wirkung: Auf eine Welle folgt die nächste. „Wenn Menschen aus einer Stauwelle rausfahren, denken sie: Das war es, jetzt geht es locker weiter. Aber dann kommt die nächste Stauwelle“, warnt der Experte. Viele Autofahrer seien dann unkonzentriert, beschleunigten stark und bremsten zu spät. „Wir sehen viele Unfälle innerhalb dieser Art von Staus.“ Typische Stellen für solche Wellen sind etwa der Elbtunnel in Hamburg, wo das Gefälle und die anschließende Steigung viele Fahrer unbewusst langsamer werden lassen.

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Vorbeugung durch kooperatives Fahren

Schreckenberg betont, dass sich Stauwellen durch vorausschauendes Fahren und ausreichenden Abstand vermeiden lassen. „Wichtig ist beim Auffahren auf die Autobahn, dass man beim Wechsel vom Beschleunigungsstreifen auf die rechte Spur möglichst so schnell ist wie der fließende Verkehr“, rät er. Auf der Autobahn selbst sei entscheidend, dass alles möglichst immer im Rollen bleibt. „Man muss nicht eng an den Vordermann fahren, um die Lücke zu schließen“, sagt Schreckenberg. Ständige Spurwechsel, die Hintermänner zum Bremsen zwingen, lösten ebenfalls Stauwellen aus – und brächten laut Untersuchungen keinen nennenswerten Zeitgewinn.

Kooperation statt Egoismus

Der Physiker appelliert an die Vernunft der Autofahrer: „Ich sage immer: Zehn bis zwanzig Prozent aller Staus könnte man verhindern, wenn mehr Menschen auf der Straße kooperativer wären und weniger nur an sich selbst denken würden.“ Mit diesem Verhalten ließe sich nicht nur der Verkehrsfluss verbessern, sondern auch die Unfallgefahr in Stauwellen reduzieren.

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