Die anhaltende Trockenheit in Deutschland sorgt für immer niedrigere Wasserstände des Rheins und treibt die Frachtkosten für die Industrie in die Höhe. Nach einem regenarmen Wochenende prognostiziert die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) einen weiteren Rückgang der Pegel. An der kritischen Engstelle Kaub bei Koblenz soll der Stand von derzeit etwa 35 Zentimetern bis Freitag auf rund 20 Zentimeter fallen.
Schiffe fahren nur noch mit Minimalbeladung
Bereits jetzt können Frachtschiffe den Fluss nicht mehr voll beladen passieren. Aus Händlerkreisen heißt es, die Binnenschiffe seien oft zu höchstens 15 bis 20 Prozent ausgelastet. Dies zwingt die Reedereien dazu, die Güter auf mehrere Fahrzeuge zu verteilen – eine Verteuerung, die die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft zusätzlich belastet, die zuletzt leichte Erholungstendenzen gezeigt hatte.
Kosten explodieren: Von 45 auf 125 Euro pro Tonne
„Die Probleme halten an und eine Besserung ist in dieser Woche nicht in Sicht“, zitiert ein Rohstoffhändler die angespannte Lage. Zwar sei die Schifffahrt theoretisch auch bei extrem niedrigen Wasserständen möglich, jedoch lohne sich der Betrieb wegen der geringen Frachtmengen oft nicht mehr. Manche Reeder stellen den Betrieb aus Sorge um ihre Schiffe komplett ein, was eine Verlagerung auf die Straße zur Folge hätte. Die Kosten für den Transport mit Tankschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe sind nach Angaben von Händlern von rund 45 Euro Ende Juni auf 120 bis 125 Euro pro Tonne gestiegen.
Bedeutung des Rheins für die Industrie
Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas und dient als zentrale Route für Rohstoffe wie Getreide, Mineralien, Erze, Kohle sowie Ölprodukte wie Benzin. Bereits im Sommer 2022 hatten deutsche Unternehmen aufgrund einer Dürre mit historisch niedrigen Wasserständen zu kämpfen, was zu ernsthaften Lieferengpässen und Produktionsausfällen führte. Die aktuelle Trockenheit droht, diese Probleme zu wiederholen und die wirtschaftliche Erholung weiter zu gefährden.



