Apple hat eine Klage gegen den ChatGPT-Entwickler OpenAI und zwei ehemalige Mitarbeiter eingereicht. Der Vorwurf: Diebstahl von Firmengeheimnissen. Einer der beiden Beklagten ist Tang Tan, ein ehemaliger ranghoher Apple-Designer, der heute als Hardware-Chef von OpenAI arbeitet. In dieser Funktion ist er maßgeblich an der Entwicklung eines neuartigen Geräts beteiligt, das auf künstliche Intelligenz zugeschnitten ist.
OpenAI weist Vorwürfe zurück
OpenAI wies die Anschuldigungen in einer Stellungnahme gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg zurück. „Wir haben kein Interesse an Geheimnissen anderer Unternehmen“, hieß es. Die Firma bleibe fokussiert darauf, innovative Technologie zu entwickeln. Apple hingegen sieht eine systematische Strategie von OpenAI, an vertrauliche Informationen zu gelangen.
Design-Guru als Türöffner
OpenAI hatte für das Hardware-Projekt auch Jony Ive verpflichtet, den langjährigen Design-Visionär von Apple, der unter anderem die Form von iPhones und MacBooks geprägt hatte. Dies machte OpenAI offenbar attraktiver für weitere Apple-Mitarbeiter. Laut Klage sind inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI angestellt. Tan, der über 20 Jahre bei Apple arbeitete und das Design von iPhone und Apple Watch verantwortete, zählt zu den ranghöchsten Überläufern.
Vorwürfe im Detail
Laut Klage kam Apple nach Ermittlungen zu dem Schluss, dass Tan vertrauliche Informationen des Konzerns zum Vorteil von OpenAI missbraucht habe. Unter anderem habe er Apple-Mitarbeiter aufgefordert, zu Job-Interviews bei OpenAI Bauteile wie Batterien und Geräte-Gehäuse in verschiedenen Farben mitzubringen. Apple sieht dies als Teil einer „Strategie“ von OpenAI, an vertrauliche Informationen zu gelangen. Die Firma habe „rechtswidrige Abkürzungen“ genutzt, um das KI-Gerät zu entwickeln, da dies schwieriger gewesen sei als angenommen.
Weitere Vorwürfe gegen zweiten Ex-Mitarbeiter
Der andere verklagte Ex-Mitarbeiter, ein ranghoher Ingenieur, soll über einen mitgenommenen Firmen-Computer noch als OpenAI-Beschäftigter auf vertrauliche Daten seines früheren Arbeitgebers zugegriffen haben. Apple hat zudem die Firma io Products verklagt, die von Ive und Tan mitgegründet und 2025 von OpenAI für rund 6,5 Milliarden Dollar gekauft wurde. Man wolle verhindern, dass über io Products weiter Apple-Geheimnisse verwendet würden, hieß es in der Klage.
Schatten auf Hardware-Projekt
Durch die Zusammenarbeit mit OpenAI war Ive in direkte Konkurrenz zu seinem einstigen Arbeitgeber getreten. Die Klage wirft einen Schatten auf das gesamte Hardware-Projekt von OpenAI. Apple bezeichnete es in der Klageschrift als „bis ins Mark verrottet“, da OpenAI sich auf illegal erworbene Firmengeheimnisse gestützt habe. Apple und OpenAI sind seit mehreren Jahren Partner bei der Nutzung künstlicher Intelligenz auf iPhones. Apple-Kunden können allgemeine Anfragen, die Siri nicht beantworten kann, an ChatGPT weiterleiten. Medienberichten zufolge erwog OpenAI vor einigen Monaten eine Klage gegen Apple wegen Vertragsbruchs, da die Partnerschaft sich schlechter entwickelt habe als erwartet.



