Die Brauerei Bergbräu in Uslar (Niedersachsen) schließt nach 158 Jahren endgültig ihre Tore. Die letzte Produktionsphase endet am 30. September 2026. Nur noch wenige Wochen läuft die Produktion an den Bändern, dann ist Feierabend für das Traditionsunternehmen. Damit verschwindet eine Institution aus der regionalen Getränkelandschaft, die noch bei Kaufland, Edeka und Rewe in den Regalen stand.
Gründe für das Aus: Preisaktionen und Kostendruck
Geschäftsführer Andreas Papp (52) macht den ruinösen Verdrängungswettbewerb im Einzelhandel für die Schließung verantwortlich. „Das Bier muss inzwischen im Einzelhandel über Preis-Aktionen verkauft werden. Und die andere Ware bleibt einfach liegen. Der Kunde kauft über Aktionen und nicht mehr über die Markenverbundenheit. Da können wir als kleine Brauerei überhaupt nicht mithalten“, zitiert Papp. Hinzu kommen explodierende Kosten für Rohstoffe, Personal und Verpackung. Der Mindestlohn sei für das Unternehmen nicht tragfähig, so Papp: „Wir machen viel über Aushilfen.“ Auch die Energiekosten und der Dieselpreis für den Fuhrpark belasten die Brauerei massiv. „Der Preis für den Liter Diesel ist explodiert. Unsere Ware muss aber ausgefahren und auch zurückgeholt werden“, erklärt der Geschäftsführer.
Lange Tradition seit 1868
Die Brauerei blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Friedrich Wilhelm Haffner legte 1868 den Grundstein für die spätere Bergbräu-Brauerei. 145 Jahre lang blieb das Unternehmen in Familienhand, bevor es 2013 verkauft wurde. Für die Region war die Brauerei mehr als ein Produktionsstandort – sie war ein Ort der Begegnung und ein fester Bestandteil der regionalen Identität. „Generationen von Menschen verbinden mit Bergbräu Erinnerungen, Tradition und handwerklich gebrauten Biergenuss aus der Region“, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Abverkauf und Zukunft der Mitarbeiter
Anfang Oktober beginnt der Abverkauf der restlichen Ware direkt an der Brauerei. Die 16 verbliebenen Mitarbeiter werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Gespräche mit Investoren zur Rettung des Standorts seien gescheitert, bestätigt Papp. „Ja, aber alle Versuche sind gescheitert. Letztendlich muss es eine Kapazitätsbegrenzung in Deutschland geben.“ Die Entscheidung zur Schließung sei den Verantwortlichen nicht leichtgefallen.
Krise in der Brauereibranche
Bergbräu ist nicht allein. Die Krise in der deutschen Brauereiwirtschaft fordert immer mehr Opfer. Erst kürzlich meldeten zwei weitere Traditionsbrauereien Insolvenz an: die Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei Westheim und die Brauerei Allersheim bei Holzminden. Der Trend zu preisorientiertem Kaufverhalten und die steigenden Betriebskosten setzen vor allem kleine und mittlere Brauereien unter Druck. Fachleute erwarten eine weitere Marktbereinigung.



