Der Nachfolger von Biontech-Mitgründer Ugur Şahin an der Spitze des Impfstoffherstellers ist gefunden: Guido Oelkers wird neuer Vorstandsvorsitzender. Das Unternehmen mit Sitz in Mainz teilte mit, dass Oelkers den Posten spätestens zum 1. Februar 2027 übernehmen werde. Der 59-Jährige kommt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), wo er seit 2017 als CEO tätig war.
Oelkers bringt langjährige Erfahrung in der Pharmabranche mit. In den 1990er-Jahren war er unter anderem für die Hoechst AG tätig. Laut Unternehmen verfügt er über eine umfassende Expertise in der Markteinführung und Kommerzialisierung innovativer Produkte, mit einem besonderen Fokus auf dem US-Markt. Diese Erfahrung dürfte für Biontech wertvoll sein, da das Unternehmen seine Umsätze künftig verstärkt mit Krebstherapien erzielen will.
Wechsel an der Spitze
Ugur Şahin hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau Özlem Türeci, die ebenfalls im Vorstand sitzt, angekündigt, Biontech spätestens Ende 2026 zu verlassen. Das Ehepaar will ein neues Unternehmen gründen, das sich der Entwicklung der nächsten Generation von mRNA-basierten Medikamenten widmet. Als Anteilseigner von Biontech bleiben sie dem Unternehmen jedoch erhalten. Die Suche nach einer Nachfolge für Türeci laufe nach Plan, teilte Biontech weiter mit.
Şahin äußerte sich lobend über den designierten Nachfolger: Er habe Oelkers als einen Manager kennengelernt, der ein tiefes Verständnis der pharmazeutischen Industrie und ausgeprägtes strategisches Urteilsvermögen mit einem aufrichtigen Respekt für die Unternehmenskultur und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbinde. „Um einen reibungslosen und erfolgreichen Übergang zu gewährleisten, werde ich seinen Einstieg aktiv unterstützen“, sagte Şahin.
Krise nach dem Corona-Boom
Biontech war während der Coronapandemie durch die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs weltweit bekannt geworden und hatte Milliardenumsätze erzielt. Doch nach dem Ende der Pandemie ist die Nachfrage stark gesunken. Das Unternehmen schreibt inzwischen rote Zahlen und muss strukturelle Anpassungen vornehmen.
Bereits im Mai hatte Biontech angekündigt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen. Betroffen sind Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt könnten bis zu 1860 Stellen von den Maßnahmen betroffen sein. Diese Einschnitte verdeutlichen den wirtschaftlichen Druck, unter dem das Unternehmen nach dem Auslaufen der Impfstofferlöse steht.
Zukunftsaussichten: Krebsmedikamente als Hoffnungsträger
Die Zukunft von Biontech hängt maßgeblich an der Entwicklung neuartiger Krebstherapien. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben bis 2030 Zulassungen für mehrere Krebsmedikamente an. Dabei setzt es auf die mRNA-Technologie, die sich bereits beim Covid-19-Impfstoff bewährt hat. Oelkers wird nun die Aufgabe übernehmen, diese strategische Neuausrichtung voranzutreiben und das Unternehmen wieder in profitablere Bahnen zu lenken.
Mit der Berufung von Oelkers erhält Biontech einen erfahrenen Manager an der Spitze, der sowohl die industriellen Abläufe als auch die kommerziellen Herausforderungen des Pharmamarkts kennt. Seine Stationen bei Hoechst und Sobi haben ihn darauf vorbereitet, ein Unternehmen in einer Phase des Umbruchs zu führen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es ihm gelingt, die bei Anlegern und in der Branche gesetzten Erwartungen zu erfüllen.



