US-Investor Castlelake erwägt Übernahme von Billigflieger Easyjet
Castlelake denkt über Easyjet-Übernahme nach

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet steht möglicherweise vor einer Übernahme durch die US-Investmentgesellschaft Castlelake. Am Freitag bestätigte Castlelake, dass man über ein Kaufgebot nachdenke. Easyjet pochte daraufhin auf möglichst vorteilhafte Konditionen für die eigenen Aktionäre. Die Reaktion an der Börse war deutlich: In London stieg der Kurs der Easyjet-Aktie zeitweise um elf Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang März. Experten sehen jedoch in den Eigentumsregeln für Airlines mit Flugbetrieb in der EU eine große Hürde für einen solchen Deal.

Hintergründe der Übernahmegerüchte

Über die Übernahmegedanken von Castlelake hatte die britische Webseite „Betaville“ berichtet. Castlelake betonte später, es gebe keine Gewissheit, dass es tatsächlich zu einem Gebot kommen werde. Die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium, und man habe noch nicht mit dem Verwaltungsrat von Easyjet gesprochen. Es ist nicht das erste Mal, dass Easyjet in den Fokus von Übernahmeinteressenten gerät. Bereits im Oktober 2025 war über ein Angebot der schweizerischen Großreederei MSC spekuliert worden, doch letztlich kam es zu keiner Offerte für die britische Konkurrentin von Europas größtem Billigflieger Ryanair.

Rechtliche Hürden für grenzüberschreitende Airline-Übernahmen

Grenzüberschreitende Übernahmen im Airline-Sektor sind aufgrund rechtlicher Hürden generell schwierig. Start-, Lande- und Überflugrechte sind in der Regel daran gebunden, aus welchen Ländern die Eigentümer der Fluggesellschaft stammen und wer die Kontrolle über das Unternehmen ausübt. Innerhalb der EU und seit dem Brexit auch zwischen der EU und Großbritannien sind die Regeln zwar lockerer. Doch bei einer Übernahme durch einen US-Investor könnte Easyjet wichtige Rechte für den Betrieb innerhalb der EU verlieren.

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„Airlines müssen mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von EU-Bürgern sein, um die Betriebslizenz in der Region zu erhalten“, schreibt Analyst Harry Gowers von der US-Bank JPMorgan. „Eine nicht aus der EU kontrollierte Firma wie Castlelake kann daher theoretisch keinen Mehrheitsanteil an Easyjet übernehmen und zugleich die Rechte für Flüge innerhalb der EU behalten.“ Allerdings seien alternative Strukturen für einen Deal denkbar. Zudem hält Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou etwa 15 Prozent der Easyjet-Aktien und erhält jährlich Lizenzzahlungen für die Markenrechte.

Druck auf Airlines durch Iran-Krieg und gestiegene Kosten

Derzeit belasten die Unsicherheit durch den Iran-Krieg und die extrem gestiegenen Kerosinpreise die Fluggesellschaften. Im April gab Easyjet deshalb eine Gewinnwarnung ab. Auch bei den Quartalszahlen im Mai wagte Unternehmenschef Kenton Jarvis keine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Für das wichtige Sommerquartal von Juli bis September seien erst 40 Prozent der Tickets verkauft – drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Last-Minute-Buchungen seien jedoch weiterhin stark. Das Management hat den Preis für die billigsten Tickets erhöht und setzt bei den hauseigenen Kosten den Rotstift an.

Im gewöhnlich reiseschwachen ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März hatte Easyjet den Umsatz zwar um zwölf Prozent auf 3,95 Milliarden britische Pfund (rund 4,56 Milliarden Euro) gesteigert. Wegen deutlich höherer Betriebskosten wuchs der saisontypische Winterverlust vor Steuern jedoch um 40 Prozent auf 552 Millionen Pfund. Unter dem Strich schwoll der Fehlbetrag von 297 Millionen auf 377 Millionen Pfund an.

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