Gastkommentar: Digitale Souveränität als Schlüssel zum Wirtschaftswunder
Digitale Souveränität für ein neues Wirtschaftswunder

Wenn Deutschland heute über ein Wirtschaftswunder spricht, denken viele an Investitionen in Infrastruktur, an Bürokratieabbau, an Energiepreise. Alles richtig, alles notwendig. Und doch verfehlt diese Debatte den entscheidenden Punkt: Das größte Strukturproblem der deutschen und europäischen Wirtschaft ist nicht zu wenig Kapital. Es ist der Kontrollverlust über die digitale Infrastruktur, auf der Wertschöpfung heute stattfindet.

Die Macht der US-Tech-Konzerne

Ein Großteil der digitalen Kommunikation, der Werbung, des Handels und der Datenverarbeitung läuft über Plattformen, die nicht in Europa reguliert, nicht in Europa besteuert und nicht nach europäischen Werten gestaltet wurden. Sie sind mächtig, weil wir sie mächtig gemacht haben. Jeden Tag. Mit jedem Budget, das dorthin fließt.

Ich führe eines der größten Vermarktungsunternehmen Deutschlands. Täglich erlebe ich, wie Werbegelder in ein System fließen, das sich neutraler Messung entzieht, eigene Reichweiten nach eigenen Regeln definiert und für vergleichbare Leistung oft den höheren Preis durchsetzt – das System der großen Tech-Konzerne aus den USA.

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Selbstmessung statt unabhängiger Kontrolle

Das Geschäftsmodell funktioniert auch deshalb so gut, weil niemand von außen nachprüfen kann, ob es funktioniert. Europäische Medien – TV, Radio, Print – unterliegen unabhängiger Reichweitenmessung durch anerkannte Dritte. Die großen US-Plattformen messen sich selbst.

Es ist kein Naturgesetz, dass nicht-europäische Tech-Konzerne immer größer werden. Es ist das Ergebnis schlechter Regulierung und unbekümmerter Nutzer, meint Werbevermarkter Stefan Mölling. „Das größte Strukturproblem der deutschen und europäischen Wirtschaft ist der Kontrollverlust über die digitale Infrastruktur“, so Mölling.

Wie digitale Souveränität gelingen kann

Europäische Unternehmen und Verlage müssen ihre digitalen Vermögenswerte zurückgewinnen. Dazu gehört der Aufbau eigener Datenökosysteme, unabhängiger Werbetechnologien und transparenter Standards. Nur so kann Europa seine digitale Souveränität wiedererlangen und die Grundlage für ein nachhaltiges Wirtschaftswunder schaffen.

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