Eine Tochter des taiwanischen Elektronik-Auftragsfertigers und Apple-Lieferanten Foxconn steht offenbar vor einem milliardenschweren Übernahmeangebot für den österreichischen IT-Konzern Kontron. Der Kontron-Großaktionär Ennoconn habe nach eigenen Angaben die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschritten und müsse daher ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre vorlegen, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in Linz mit. Ennoconn habe eine Offerte über 23,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt.
Bewertung von 1,5 Milliarden Euro
Damit würde Kontron mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot liegt 1,10 Euro über dem Schlusskurs der Kontron-Aktie an der Frankfurter Börse und hauchdünn über dem vorgeschriebenen Mindestpreis von 23,48 Euro.
Vorgeschichte der Übernahme
Das Übernahmeangebot hatte sich abgezeichnet. Bereits Anfang Mai hatte Kontron seine Aktionäre darüber informiert, dass der Verwaltungsrat von Ennoconn die Konzernführung ermächtigt habe, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent zu überschreiten. Damals hielten die Taiwaner bereits 27,9 Prozent. Vorstandschef Hannes Niederhauser erklärte, er werde investiert bleiben und sein Aktienpaket von 2,2 Prozent nicht verkaufen. Der Aktienrückkauf werde mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, teilte Kontron mit.
Die Übernahmepläne von Ennoconn könnten weitreichende Auswirkungen auf die Zukunft von Kontron haben. Das österreichische Unternehmen ist auf embedded Computing und IoT-Lösungen spezialisiert und beschäftigt weltweit mehrere tausend Mitarbeiter. Ennoconn, als Teil des Foxconn-Imperiums, könnte durch die vollständige Übernahme seine Präsenz im europäischen IT-Markt deutlich ausbauen. Analysten erwarten, dass das Angebot von den Aktionären angenommen wird, da es eine angemessene Prämie zum aktuellen Kurs bietet.



