Getragene Trikots als Geldanlage: Das steckt hinter dem Millionenmarkt
Getragene Trikots als Geldanlage: Millionenmarkt

Die Fußball-Weltmeisterschaft wird nicht nur auf dem Rasen entschieden. Für manche Fans beginnt das eigentliche Spiel erst nach dem Schlusspfiff – nämlich bei den Auktionen um getragene Spielertrikots. Was heute noch verschwitzt aus der Kabine kommt, kann morgen schon ein begehrtes Sammlerstück sein. Während in den USA, Kanada und Mexiko noch um den WM-Titel gespielt wird, laufen auf der Plattform MatchWornShirt (MWS) bereits die Auktionen für getragene und signierte Trikots der Nationalspieler. Was für Fans ein außergewöhnliches Erinnerungsstück ist, sehen immer mehr Sammler auch als Geldanlage. Doch wann taugt ein Trikot tatsächlich als Investment – und worauf sollten Käufer achten?

Wie groß der Markt inzwischen geworden ist

Wie groß der Markt inzwischen geworden ist, zeigte zuletzt das Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und Arsenal London. Für das von Ousmane Dembélé getragene und signierte Trikot zahlte ein Sammler mehr als 160.000 Euro. Auch die Trikots von Chwitscha Kwarazchelia und Désiré Doué erzielten sechsstellige Erlöse. Was lange Zeit vor allem für Autogrammkarten oder getragene Schuhe galt, ist zunehmend für Sportmemorabilia aller Art zu beobachten – die Entwicklung eines eigenen Marktes mit internationalen Auktionsplattformen, professionellen Sammlern und Anlegern, die auf steigende Preise setzen.

Matchworn-Shirts: Vom Fanartikel zum Anlageobjekt

Doch längst nicht jedes Trikot entwickelt sich automatisch zum Renditeobjekt. „Ein Trikot ist nicht deshalb wertvoll, weil es getragen wurde. Entscheidend ist, welche Geschichte dahintersteht“, sagt Malte Häusler, Gründer der Investmentplattform Timeless und Experte für Sportmemorabilia. Wer mit einem Matchworn-Trikot Geld verdienen wolle, müsse den Markt ähnlich analysieren wie Kunst- oder Uhreninvestoren. Entscheidend seien mehrere Faktoren zugleich: der Spieler, das Spiel, die Seltenheit und die emotionale Bedeutung. Ein Trikot aus einem gewöhnlichen Bundesligaspiel habe deutlich weniger Potenzial als eines aus einem Champions-League-Finale oder einer Weltmeisterschaft. „Man investiert letztlich in die Legacy eines Spielers“, sagt Häusler. Vor allem die Frage, welche Bedeutung ein Fußballer auch Jahre nach seiner Karriere für Fans und Sammler habe, sei dabei entscheidend. Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo seien dafür Paradebeispiele. Bei jungen Talenten komme dagegen immer auch das Risiko hinzu, dass sich die Karriere anders entwickle als erhofft.

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Die Bedeutung des Ereignisses und der Authentizität

Mindestens genauso wichtig ist das Ereignis selbst, so Häusler. Rekorde, Titelgewinne, Debüts oder Abschiedsspiele machten ein Trikot häufig erst zu einem begehrten Sammlerstück. „Ein Trikot erzählt immer eine Geschichte“, sagt er. Diese Geschichte sei letztlich das, wofür Sammler bereit seien, hohe Summen zu bezahlen. Mindestens ebenso wichtig wie die Geschichte sei die Authentizität. Viele Käufer achteten zunächst auf die Unterschrift eines Spielers. „Die Signatur ist ein netter Bonus“, sagt Häusler. Für den Wert entscheidend sei aber der zweifelsfreie Nachweis, dass genau dieses Trikot tatsächlich von genau diesem Spieler in genau diesem Spiel getragen wurde. Mit steigenden Preisen werde die lückenlose Dokumentation immer wichtiger.

Fälschungssichere Dokumentation als Zukunft

Hier sieht der Experte den Markt erst am Anfang. Langfristig plädiert er für eine fälschungssichere Dokumentation, die bereits bei der Produktion der Shirts beginnt. „Im Idealfall erfolgt die Authentifizierung künftig schon beim Hersteller“, sagt er. Denkbar seien etwa Chips oder andere fälschungssichere Technologien, die bereits bei der Produktion in das Trikot integriert werden und den gesamten Weg bis zum Käufer dokumentieren. In Kombination mit der Foto-Matching-Technik wäre das „eine wesentliche Weiterentwicklung beim Durchsetzen von einheitlichen Bewertungsstandards“. Je stärker Matchworn-Trikots auch als Investment wahrgenommen würden, desto wichtiger werde eine solche Lösung.

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So kommen die Trikots überhaupt in die Auktion

Zu den größten Anbietern für solche spielergetragenen Trikots gehört das niederländische Unternehmen MatchWornShirt. Die 2017 gegründete Plattform arbeitet nach eigenen Angaben inzwischen mit mehr als 400 Vereinen, Verbänden, Ligen und Sportorganisationen weltweit zusammen. Versteigert werden getragene oder spielvorbereitete (ausgegebene) Trikots. Nach den Partien werden sie eingesammelt, den jeweiligen Spielern zugeordnet, signiert und anschließend versteigert. Allein in diesem Jahr will das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 100.000 Trikots verkaufen. Ganz unumstritten ist das Verfahren allerdings nicht. Häusler sieht bei der Dokumentation noch Verbesserungspotenzial. Für Käufer sei häufig nicht ersichtlich, wie lange ein Trikot tatsächlich getragen wurde. Gerade bei hochpreisigen Sammlerstücken könne es aber einen Unterschied machen, ob ein Spieler damit die komplette Partie oder lediglich eine Halbzeit bestritten habe. MatchWornShirt weist die Kritik nicht grundsätzlich zurück, verweist aber auf die Abläufe im Profifußball. In den meisten Profiligen wechseln Spieler ihre Trikots bereits zur Halbzeit. Die Plattform erhält nach eigenen Angaben deshalb in der Regel die Trikots aus der ersten Halbzeit. Die Shirts der zweiten Halbzeit blieben häufig für den Trikottausch unter den Spielern oder würden nach Spielende an Fans verschenkt. Eine gesonderte Kennzeichnung, dass es sich um ein Trikot aus der ersten Halbzeit handelt, erfolgt auf der Plattform allerdings bislang nicht.

Matchworn-Shirts: So verdienen Vereine und Plattformen mit

Für die Vereine ist das Geschäft längst zu einer zusätzlichen Einnahmequelle geworden. Werder Bremen war nach eigenen Angaben bereits 2019 der erste Bundesligist, der mit MatchWornShirt kooperierte. Von welchen Spielen Trikots versteigert werden, legt der Club jeweils zu Saisonbeginn fest – meist sind es emotionale Partien wie Nordderbys, DFB-Pokalspiele oder Begegnungen mit Sondertrikots. Nach dem Abpfiff sammelt das Team-Management die Trikots direkt ein, anschließend werden sie von den Spielern signiert und für die Auktionen vorbereitet. Finanziell profitieren beide Seiten. MatchWornShirt erhält einen Anteil der Auktionserlöse. Werder Bremen bekommt nach eigenen Angaben ab der kommenden Saison 79 Prozent der Nettoerlöse. Das Geld fließt allerdings vollständig an die vereinseigene Stiftung, die soziale Projekte unterstützt. Auch Borussia Mönchengladbach verweist neben zusätzlichen Einnahmen auf die internationale Reichweite der Plattform. Fans auf der ganzen Welt könnten so Originaltrikots erwerben, die sonst kaum erhältlich wären. Der Deutsche Fußball-Bund versteigert seit der Europameisterschaft 2024 ebenfalls spielvorbereitete und signierte Trikots der Nationalmannschaft. Mit den Erlösen werden unter anderem die DFB-Stiftungen unterstützt.

Getragene Trikots sind kein Selbstläufer als Geldanlage

Ob sich ein Matchworn-Trikot tatsächlich als Geldanlage eignet, hängt nach Ansicht Häuslers deshalb von deutlich mehr Faktoren ab als vom Namen des Spielers. „Je höher der Preis, desto wichtiger werden Herkunft und Dokumentation“, sagt er. Wer nur auf den schnellen Gewinn hoffe, werde häufig enttäuscht. Der Markt funktioniere langfristig – und vor allem über Emotionen. Auch Verbraucherschützer raten zu einer nüchternen Betrachtung. „Es ist natürlich möglich, dass Matchworn-Trikots bei besonderen Stücken im Wert steigen, eine sichere Geldanlage sind sie aber nicht“, sagt Annalena Marx von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Wer ein solches Trikot kaufe, sollte es deshalb in erster Linie als besonderes Liebhaberstück betrachten. Genau darin liegt für Häusler letztlich auch der Reiz. Die erfolgreichsten Investments seien häufig jene, die Käufer auch dann behalten würden, wenn ihr Wert nie steigen sollte. „Am Ende kauft man nicht nur Stoff“, sagt er. „Man kauft einen Moment, der sich nicht wiederholen lässt.“