Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer gerät im Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat erneut unter Druck. Die Aktie des Unternehmens fiel am Mittag um rund fünf Prozent und ist damit der schwächste Wert im Dax. Grund dafür ist ein neuer juristischer Schachzug einzelner Klägeranwälte, die versuchen, den im Frühjahr ausgehandelten Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar von einem Gericht in Missouri an ein Gericht in Kalifornien zu verlegen.
Hintergrund des Rechtsstreits
Bayer hatte sich im Februar mit großen Schadensersatzkanzleien in den USA auf einen Vergleich geeinigt, der sämtliche bisherigen und künftigen Klagen abdecken soll, bei denen eine Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom auf den Einsatz von Roundup zurückgeführt wird. Das zuständige Gericht in Missouri hatte den Vergleich Anfang März vorläufig gebilligt, die endgültige Zustimmung steht jedoch noch aus.
Neue Hürde durch Gerichtsverlegung
Die Klägeranwälte beantragten nun, den Fall an ein Gericht in Kalifornien zu verlegen. Der dortige Richter gilt als kritisch gegenüber Bayer und ließ vor Jahren bereits einen Sammelvergleich des Monsanto-Mutterkonzerns platzen. Ein Bayer-Sprecher kündigte an, gegen die vom Judicial Panel on Multidistrict Litigation verhängte bedingte Anordnung vorzugehen, um die Rückverlegung des Verfahrens zu erreichen. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Argumente dafür sprechen, dass der Fall des Sammelvergleichs an das Staatsgericht von Missouri zurückverwiesen werden sollte“, sagte er.
Auswirkungen auf Bayer und den Aktienkurs
Der Aktienkurs von Bayer reagierte empfindlich auf die Nachricht. Mit einem Minus von rund fünf Prozent führt das Unternehmen die Verliererliste im Dax mit Abstand an. Bayer-Chef Bill Anderson hatte den Investoren versprochen, die vielen Rechtsrisiken, unter denen der Konzern seit Jahren leidet, im Jahr 2026 deutlich einzudämmen. Ein erfolgreicher Sammelvergleich ist dazu ein wesentlicher Baustein. Sollte der Vergleich scheitern, wäre dies ein massiver Rückschlag für Bayer und Anderson, und sein Versprechen wäre wohl nicht mehr zu halten.
Zukunftsaussichten
Die juristische Hängepartie belastet das Unternehmen weiterhin. Analysten sehen in der Unsicherheit um den Vergleich ein erhebliches Risiko für die Aktie. Sollte die Verlegung nach Kalifornien tatsächlich erfolgen, könnte dies den Vergleichsprozess erheblich verzögern oder sogar gefährden. Bayer bleibt jedoch optimistisch, die Rückverlegung nach Missouri zu erreichen, und arbeitet weiterhin daran, die Rechtsstreitigkeiten zu lösen.



