Grob-Werke in Mindelheim: Mitarbeiter sollen Sanierungsbeitrag leisten
Die Grob-Werke in Mindelheim verhandeln mit dem Betriebsrat über eine finanzielle Beteiligung der Belegschaft an der Sanierung des Unternehmens. Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, sieht ein Konzept vor, dass die Beschäftigten für einen Zeitraum von zwei Jahren auf Teile ihres Einkommens verzichten. Dadurch sollen jährlich mehrere Millionen Euro eingespart werden, um Arbeitsplätze zu sichern.
Ein Sprecher der Geschäftsleitung bestätigte, dass Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Die Themen seien der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Sicherung des Standorts. Details nannte er nicht.
Auftragskrise der Automobilbranche trifft Maschinenbauer
Der Auftragseinbruch aus der Automobilindustrie ist der Hauptgrund für die schwierige Lage. Das Unternehmen fertigt Montagesysteme und Werkzeugmaschinen, die vor allem in der Fahrzeugproduktion eingesetzt werden. Wegen der geringeren Investitionen der Hersteller verzeichnet Grob einen deutlichen Rückgang der Bestellungen.
Auch die Konkurrenz leidet unter der Krise. Viele Maschinenbauer haben ihre Prognosen gesenkt. Grob steht jedoch besonders unter Druck, da das Unternehmen stark auf die Autobranche fokussiert ist. Eine Diversifizierung in andere Branchen ist bisher nur teilweise gelungen.
Um die Überkapazitäten abzufedern, wurde in den vergangenen Monaten vermehrt Kurzarbeit beantragt. Das allein reicht nach Ansicht der Geschäftsleitung nicht aus, um das Unternehmen durch die Krise zu führen. Es brauche einen Beitrag der Beschäftigten, heißt es aus dem Umfeld des Betriebsrats.
So sollen die Einsparungen aussehen
Nach übereinstimmenden Informationen sollen die variablen Vergütungsbestandteile gekürzt werden. Auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld steht auf dem Prüfstand. Die Höhe des Beitrags richtet sich angeblich nach dem Einkommen der Mitarbeiter. Gutverdienende sollen stärker belastet werden als Geringverdiener.
Im Gegenzug verlangt der Betriebsrat harte Zusagen: keine betriebsbedingten Kündigungen während der Laufzeit, Fortführung der Ausbildung und eine verbindliche Investitionszusage für den Standort. Diese Punkte könnten bis Ende des Monats vertraglich festgehalten werden.
Gewerkschaft übt Kritik
Die IG Metall hat die Pläne zurückhaltend aufgenommen. Eine Sprecherin der Gewerkschaft betonte, dass die Beschäftigten nicht allein die Lasten tragen dürften. Die Geschäftsleitung müsse konsequent sparen und auch auf der Führungsebene Einschnitte vornehmen. Die Gewerkschaft werde die Verhandlungen genau beobachten.
Eine Urabstimmung über die Vereinbarung ist denkbar. Der Betriebsrat hat angekündigt, die Belegschaft in einer Vollversammlung über den Stand zu informieren. Erst nach einer Zustimmung der Mitarbeiter könnte das Paket umgesetzt werden.
Grob als regionaler Arbeitgeber
Das 1926 gegründete Familienunternehmen ist einer der größten Arbeitgeber der Region. Neben dem Hauptwerk in Mindelheim gibt es Standorte in mehreren Ländern. Die Entscheidungen im Stammwerk haben daher eine hohe Symbolkraft. Eine Einigung ohne betriebsbedingte Kündigungen würde auch anderen Unternehmen in der Branche als Vorbild dienen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Bündnis zustande kommt. Beide Seiten haben sich für Ende August eine Entscheidung vorgenommen. Bis dahin bleibt die Unsicherheit für die Mitarbeiter und ihre Familien groß.
Die Grob-Werke haben bereits angekündigt, die Belegschaft zeitnah über das Ergebnis der Verhandlungen zu informieren. Bis dahin wird in Mindelheim weiter spekuliert — und auf eine Lösung gehofft, die weder Jobs kostet noch die Belegschaft überfordert.



