Zwei Traditionsbrauereien in NRW melden Insolvenz an
Insolvenz bei zwei Traditionsbrauereien in NRW

Die traditionsreichen Brauereien Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei Westheim und Brauerei Allersheim haben Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das Amtsgericht Bielefeld ordnete das Verfahren für die beiden Unternehmen an, die zusammen vier Biermarken produzieren: Westheimer, Arolser, Allersheimer und Caluna. Hinzu kommen die alkoholfreien Getränke limoNAHde und Nah2O. Für Kunden, Gaststätten und den Handel läuft Produktion, Abfüllung und Auslieferung zunächst uneingeschränkt weiter.

Hintergrund der Insolvenzen

Die 1862 gegründete Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei in Marsberg-Westheim (Nordrhein-Westfalen) beschäftigt 60 Mitarbeiter. Die Brauerei Allersheim bei Holzminden, gegründet 1854, hat nur noch acht Angestellte. Beide Unternehmen hatten sich Anfang 2024 zusammengeschlossen, um Synergien zu nutzen. Seither wird am Standort Allersheim nicht mehr gebraut; das Allersheimer Bier wird in Westheim abgefüllt.

Die Gründe für die finanzielle Schieflage sind branchentypisch: Der Bierkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren kontinuierlich, während die Kosten für Energie, Rohstoffe, Verpackung, Logistik und Personal steigen. Trotz eigener Sparmaßnahmen habe sich die wirtschaftliche Lage weiter verschärft, teilte das Unternehmen mit.

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Zukunft der Brauereien

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht den Sanierungsprozess. Ziel ist die Stabilisierung der Unternehmen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Gräflich zu Stolberg'schen Brauerei, Moritz von Twickel (46), sagte gegenüber BILD: „Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“ Die Eigenverwaltung sei „kein Ende, sondern der Beginn einer konsequenten Neuaufstellung“.

Konkret verfolgt das Unternehmen vier Ziele: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen in moderne Produktionsabläufe, Ausbau des Produktangebots und eine verbesserte finanzielle Aufstellung. Noch vor wenigen Monaten, im Mai 2026, wurde die Brauerei von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zum 27. Mal mit dem „Preis für langjährige Produktqualität“ ausgezeichnet. Nun steht das Überleben im Mittelpunkt.

Auswirkungen auf die Branche

Die Insolvenzen sind ein weiteres Zeichen für den Strukturwandel in der deutschen Brauereilandschaft. Laut dem Deutschen Brauer-Bund ist der Pro-Kopf-Bierkonsum von 151 Litern im Jahr 1990 auf etwa 92 Liter im Jahr 2025 gesunken. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten massiv. Viele kleine und mittelständische Brauereien kämpfen ums Überleben. Die beiden betroffenen Unternehmen hoffen, durch die Eigenverwaltung eine langfristige Sanierung zu erreichen. Die Mitarbeiter und Kunden werden über den Fortgang des Verfahrens informiert.

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