Kuka-Chef: Roboter brauchen keine Beine für Fabriken
Kuka-Chef: Roboter brauchen keine Beine

Der Chef des Augsburger Roboterherstellers Kuka, Peter Schell, hat klare Vorstellungen davon, wie die Zukunft der Fabrikautomation aussieht: Humanoide Roboter mit zwei Beinen werden seiner Meinung nach in der Industrie keine große Rolle spielen. „Unsere Roboter brauchen keine Beine“, sagte Schell im Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Er setzt stattdessen auf spezialisierte Roboterarme, die effizienter und kostengünstiger arbeiten.

Warum Beine überflüssig sind

Schell argumentiert, dass die meisten industriellen Anwendungen in Fabriken auf stationären oder auf Schienen geführten Robotern basieren. Diese seien präziser und schneller als laufende Roboter. Zudem seien sie einfacher zu programmieren und zu warten. „In einer Fabrik gibt es keine Treppen, die ein Roboter überwinden muss“, so Schell. Die Umgebung sei klar strukturiert, sodass Räder oder Schienen ausreichten.

Die Entwicklung humanoider Roboter, wie sie etwa von Tesla oder Boston Dynamics vorangetrieben wird, verfolgt Kuka zwar mit Interesse, aber nicht mit dem Ziel, solche Systeme in der eigenen Produktion einzusetzen. Stattdessen fokussiert sich das Unternehmen auf die Weiterentwicklung klassischer Industrieroboter, die mit künstlicher Intelligenz und Sensorik ausgestattet werden, um flexibler zu werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kuka setzt auf Spezialisierung

Der Roboterhersteller mit Hauptsitz in Augsburg sieht seine Stärke in der Anpassung an spezifische Kundenbedürfnisse. „Wir bieten Lösungen, die genau auf die Prozesse unserer Kunden zugeschnitten sind“, erklärte Schell. Dazu gehören Roboter für die Automobilindustrie, die Elektronikfertigung oder die Logistik. Diese Spezialisierung unterscheide Kuka von Anbietern, die versuchten, universelle humanoide Roboter zu vermarkten.

Auch beim Thema Kollaboration zwischen Mensch und Maschine sieht Schell Vorteile in der klassischen Bauweise. Leichtbauroboter von Kuka, die ohne Schutzzaun direkt neben Menschen arbeiten, seien bereits etabliert. Diese Roboter sind kompakt und bewegen sich langsam, wenn Personen in der Nähe sind. Eine humanoide Form sei dafür nicht notwendig.

Wirtschaftlichkeit entscheidet

Letztlich sei die Wirtschaftlichkeit das entscheidende Kriterium für den Einsatz von Robotern. Humanoide Roboter seien derzeit extrem teuer und komplex. „Die Kosten-Nutzen-Rechnung muss für den Kunden aufgehen“, betonte Schell. Solange klassische Roboter die gleiche Aufgabe günstiger erledigen könnten, würden sich humanoide Systeme nicht durchsetzen.

Kuka gehört seit 2016 zum chinesischen Midea-Konzern und beschäftigt weltweit rund 15.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei etwa 3,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, um die Effizienz und Intelligenz seiner Roboter zu steigern.

Zukunft der Fabrikautomation

Für die kommenden Jahre erwartet Schell einen verstärkten Einsatz von KI in der Robotik. Roboter sollen lernen, komplexe Aufgaben eigenständig zu bewältigen. Dennoch bleibt die Grundform des klassischen Roboterarms bestehen. Diese habe sich über Jahrzehnte bewährt und biete die größte Zuverlässigkeit.

Die Diskussion um humanoide Roboter werde in der Öffentlichkeit oft überbewertet, so Schell. In der Praxis zählten Präzision, Geschwindigkeit und Robustheit. Damit positioniert sich Kuka klar gegen den Trend zu zweibeinigen Maschinen und setzt auf Bewährtes.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration