München. Vor wenigen Tagen hat Siemens-Energy-Vorständin Anne-Laure Parrical de Chammard von den Fortschritten ihres Bereichs berichtet. Die Einheit „Transformation of Industry“, die Energieinfrastruktur für die Industrie anbietet, habe große Zukunftschancen, sagte die Französin. Der adressierbare Markt profitiere von Megatrends und könne bis 2031 im Schnitt um sieben Prozent pro Jahr wachsen.
Und doch ist die langfristige Zugehörigkeit zum Konzern offen. Das Geschäft mit so unterschiedlichen Produkten wie Kompressoren für die Ölindustrie und Elektrolyseuren zur Herstellung von Wasserstoff hat in den vergangenen Jahren die Profitabilität zwar deutlich verbessert. Doch sind die Margen niedriger als bei Gasturbinen und Stromübertragungstechnik, mit denen Siemens Energy derzeit glänzend verdient.
So ist klar, dass Siemens Energy im Zuge seiner strategischen Mittelfristplanung neben der lange hochdefizitären Windkraft auch „Transformation of Industry“ genau unter die Lupe nehmen wird. Nach Informationen des „Manager Magazins“ spielt Siemens Energy dabei gerade auch die Abspaltung der Sparte zum Beispiel in Form eines Spin-offs oder Börsengangs durch. In Aufsichtsratskreisen heißt es, das Thema sei völlig offen. Das Kontrollgremium habe sich damit noch überhaupt nicht befasst.
Im Geschäftsjahr 2024/25 (30. September) hatte „Transformation of Industry“ als kleinster der vier Geschäftsbereiche 5,7 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Die operative Rendite vor Sondereffekten lag bei 7,4 Prozent.
Auch die Windkraft muss sich beweisen
Der Konzern erklärte, Siemens Energy überprüfe regelmäßig das Portfolio, „um sicherzustellen, dass jeder Geschäftsbereich über die besten strategischen und finanziellen Voraussetzungen verfügt, um im Wettbewerb zu bestehen, zu investieren und langfristig zu wachsen“. Im Rahmen dieses laufenden Prozesses prüfe man auch die optimale langfristige Aufstellung, um den Wachstumskurs von „Transformation of Industry“ zu beschleunigen. Es gebe hierzu „keinerlei Entscheidungen“.
Was für Parrical de Chammards Bereich gilt, gilt erst recht für die Windkraftsparte. Siemens Gamesa hatte wegen der schwierigen Branchenlage und Qualitätsproblemen bei einer neuen Onshore-Turbinengeneration jahrelang hohe Verluste erzielt. Im Geschäftsjahr 2024/25 betrug das operative Minus vor Sondereffekten noch 1,4 Milliarden Euro.
Siemens-Energy-CEO Christian Bruch sagte dazu: „Die Welt braucht Windenergie. Daran gibt es für mich überhaupt keinen Zweifel.“ Wenn aber andere Geschäfte 20 Prozent Rendite erzielten und Wind nur drei Prozent, dann werde irgendwann automatisch die Portfoliofrage gestellt. „Bis dahin gilt für mich aber klar: erst stabilisieren, Risiken herausarbeiten und den Turnaround absichern.“
Die Vorzeigesparten des Konzerns sind derzeit vor allem „Gas Services“ und „Grid Technologies“ mit der Stromübertragungstechnik. Bei Produkten wie Gasturbinen und Transformatoren gibt es für die Kunden derzeit jahrelange Wartezeiten.
Die regelmäßige Anhebung der Prognosen und eine Erweiterung der Aktienrückkäufe haben in den vergangenen Jahren auch die Aktionäre erfreut. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Kurs nochmals fast verdoppelt. Am Donnerstag legte der Kurs zeitweise fünf Prozent auf 170 Euro zu.
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