Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 beschert Anlegern eine Reihe von Überraschungen: T-Mobile US hebt seine Free-Cashflow-Prognose an, Dow Chemical übertrifft die Erwartungen deutlich, und Jungheinrich muss seine Gewinnprognose senken. Auch TotalEnergies profitiert von der Ölpreisrally und meldet das beste Quartalsergebnis seit fast drei Jahren.
T-Mobile US: Premium-Tarife treiben Wachstum
Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US hat im zweiten Quartal ein überraschend starkes Ergebnis erzielt. Grund dafür ist die zunehmende Beliebtheit hochpreisiger Tarife. „Unter den Neukunden entscheiden sich 60 Prozent für unsere Premium-Angebote“, sagte Finanzchef Jon Freier der Nachrichtenagentur Reuters. Der Free Cash Flow für das Gesamtjahr wird nun auf 18,4 bis 18,8 Milliarden Dollar prognostiziert, nach zuvor 18,1 bis 18,7 Milliarden Dollar.
Der Kundenzuwachs ging zwar um 13 Prozent auf 277.000 zurück, fiel aber geringer aus als befürchtet. Der Konzernumsatz stieg um knapp acht Prozent auf 22,79 Milliarden Dollar und lag im Rahmen der Markterwartungen. Der operative Gewinn übertraf mit 9,54 Milliarden Dollar die Analystenprognosen. „Wir sind auf einem guten Weg, unsere Ziele für 2026 und 2027 zu erreichen“, sagte T-Mobile-Chef Srini Gopalan.
Dow Chemical profitiert von steigenden Kunststoffpreisen
Der US-Chemiekonzern Dow hat im abgelaufenen Quartal dank deutlich gestiegener Kunststoffpreise infolge des Nahost-Kriegs kräftig zugelegt. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar. Die Spannungen an der Straße von Hormus verknappten das weltweite Angebot an Chemikalien und trieben die Preise für Kunststoffe und Polymere in die Höhe. Dow hob die Verkaufspreise um 20 Prozent an, während der Absatz um ein Prozent zurückging. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) stieg auf 2,3 Milliarden Dollar, nach 703 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Um den gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sowie einer schwachen Nachfrage in wichtigen Endmärkten zu begegnen, treibt Dow sein Sparprogramm voran. Die internen Maßnahmen hätten die Erwartungen übertroffen, erklärte Konzernchefin Karen Carter. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit zusätzlichen Einsparungen von rund 200 Millionen Dollar, womit der Beitrag zur Ergebnisverbesserung auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar steigt.
Jungheinrich senkt Gewinnprognose trotz Umsatzplus
Der Hamburger Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich muss trotz eines anziehenden Geschäfts seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurücknehmen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde nur zwischen 340 und 400 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen mit. Bisher hatte die Spanne zwischen 380 und 450 Millionen Euro gelegen. Als Gründe nennt Jungheinrich die Folgewirkungen des Streiks im Werk Lüneburg im Februar, höhere Materialkosten und die scharfe Konkurrenz. An der Börse verloren die Aktien nach der Prognosesenkung 5,6 Prozent.
Beim Auftragseingang kalkuliert Jungheinrich für 2026 nun mit 5,5 bis 6,1 Milliarden Euro, beim Umsatz mit 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro – jeweils 100 Millionen mehr als bisher. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) werde deshalb nur zwischen 6,2 und 7,0 Prozent liegen, nach zuvor 7,2 bis 8,0 Prozent. Im zweiten Quartal lag der Auftragseingang mit 1,42 Milliarden Euro über dem Vorjahresniveau, der Umsatz stieg um gut drei Prozent auf 1,40 Milliarden Euro. Das Ebit bröckelte jedoch auf 88 Millionen Euro ab, nach 106 Millionen im Vorjahr.
TotalEnergies: Rekordgewinn dank Ölpreisrally
Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisrally hat TotalEnergies einen wahren Geldsegen beschert. Der bereinigte Nettogewinn sprang im zweiten Quartal um 67 Prozent auf sechs Milliarden Dollar, wie der französische Energiekonzern mitteilte. Damit lag er noch höher als die 5,4 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal 2026. Analysten hatten mit einem Gewinnwachstum in diesem Umfang gerechnet. Die Aktionäre sollen daran teilhaben: Für das dritte Quartal kündigte TotalEnergies Aktienrückkäufe im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar an.
Der Iran-Krieg hat das weltweite Angebot verknappt und die Preise für Rohöl und Gas auf Mehrjahreshochs getrieben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zwischen April und Juni im Schnitt rund 97 Dollar, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders stark profitierte TotalEnergies im Geschäftsfeld Raffinerie und Chemie, wo der Gewinn um 362 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar schoss. In der Sparte Exploration und Produktion kletterte das Ergebnis um 64 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Einen Dämpfer gab es im Geschäft mit verflüssigtem Erdgas (LNG): Wegen schwacher Nachfrage in Europa sank der Gewinn um 22 Prozent auf 807 Millionen Dollar.
Weitere Unternehmensmeldungen im Überblick
Der Bahntechnik-Konzern Vossloh vertröstet Anleger auf das nächste Jahr. Nach einer Prognose-Senkung für 2026 erwartet das Unternehmen für 2027 ein deutliches organisches Wachstum und eine deutliche Verbesserung des Ebit. Die Belastungen im laufenden Jahr seien überwiegend temporär oder einmalig. Der Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr um fast ein Drittel auf einen Rekordwert von 828,5 Millionen Euro.
Der britische Billigflieger Easyjet leidet unter hohen Kerosinkosten und dem Last-Minute-Trend. Der Gewinn brach im zweiten Quartal um 70 Prozent auf 85 Millionen Pfund ein, obwohl der Umsatz um zwei Prozent auf knapp drei Milliarden Pfund stieg. Die Ticketpreise für das Sommerquartal liegen auf Vorjahresniveau, die Last-Minute-Buchungen sind stark.
Die französische Großbank BNP Paribas übertraf die Erwartungen dank eines florierenden Aktienhandels und einer Erholung im Privatkundengeschäft. Der Nettogewinn stieg um ein Drittel auf 4,35 Milliarden Euro, die Erträge kletterten um zwölf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Die Bank profitierte zudem von einem Einmalertrag aus der Neuordnung der Partnerschaft mit dem belgischen Versicherer Ageas.
Der Lkw-Bauer Traton zeigt sich optimistischer dank einer deutlich anziehenden Nachfrage aus den USA. Die bereinigte operative Umsatzrendite wird nun bei 6,3 bis 7,3 Prozent erwartet, nach zuvor 5,3 bis 7,3 Prozent. Auch die Verkaufszahlen dürften 2026 mindestens auf Vorjahresniveau liegen, womöglich bis zu sieben Prozent darüber.
Nokia steigerte den operativen Gewinn im zweiten Quartal auf 434 Millionen Euro und übertraf damit die Markterwartungen. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu. Rückenwind erhält der Netzwerkausrüster durch den Ausbau des Geschäfts mit Ausrüstung für Rechenzentren.
Hyundai Motor verfehlte die Gewinnerwartungen: Der operative Gewinn sank um fast 21 Prozent auf 2,85 Billionen Won, während der Umsatz auf einen Rekordwert von 49,2 Billionen Won stieg. Belastet wurde das Ergebnis durch rückläufige weltweite Verkaufszahlen und ein schwierigeres Marktumfeld.
STMicroelectronics stellt für das dritte Quartal steigende Erlöse in Aussicht, gestützt durch die Nachfrage aus KI-Rechenzentren. Der Chipkonzern peilt einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar an, ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge soll bei etwa 37 Prozent stabil bleiben.
Nestlé beschleunigt das Wachstum: Im zweiten Quartal zogen die Verkaufsmengen um 1,8 Prozent an, das organische Wachstum belief sich auf 3,7 Prozent. Zudem bringt Nestlé sein Wassergeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Platinum Equity ein, das mit einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden Euro bewertet wird.
Unicredit verdiente im zweiten Quartal mehr als erwartet: Der Nettogewinn lag bei 2,91 Milliarden Euro. Vorstandschef Andrea Orcel hob die Jahresprognose an: Statt „mindestens 11 Milliarden Euro“ stellt die Bank nun einen Jahresgewinn deutlich über 11 Milliarden Euro in Aussicht. Gleichzeitig kündigt Unicredit eine Zwischendividende von rund 2,8 Milliarden Euro an.
Kühne+Nagel hob nach Zuwächsen im zweiten Quartal die Gewinnprognose für 2026 an. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) wird nun bei 1,35 bis 1,55 Milliarden Franken erwartet, nach zuvor 1,25 bis 1,40 Milliarden Franken. Grund für den Optimismus sind gute Geschäfte in der Luftfracht und Effizienzsteigerungen durch KI.
Der starke Schweizer Franken bremste das Wachstum von Roche im ersten Halbjahr. Der Umsatz fiel in der Berichtswährung um zwei Prozent auf 30,36 Milliarden Franken, währungsbereinigt wuchs er um sechs Prozent. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern.
Die Google-Mutter Alphabet wuchs im vergangenen Quartal stärker als erwartet: Der Umsatz legte um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar zu. Der Quartalsgewinn stieg auf 112,1 Milliarden Dollar, unter anderem durch Wertsteigerungen bei bilanzierten Investments, darunter eine Beteiligung an SpaceX.
Tesla verfehlte die Gewinnerwartungen der Wall Street deutlich. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 33 Cent, während Analysten mit 51 Cent gerechnet hatten. Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf knapp 28,24 Milliarden Dollar, getragen von einem unerwartet starken Zuwachs bei den Auslieferungen.
IBM kappte nach enttäuschenden Geschäftszahlen die Jahresziele. Der Umsatz werde 2026 voraussichtlich nur um vier bis fünf Prozent zulegen, nach zuvor mehr als fünf Prozent. Das schwache Geschäft mit Großrechnern, das um 42 Prozent schrumpfte, belastete das Ergebnis.
Texas Instruments übertraf die Erwartungen dank einer wachsenden Nachfrage nach Computerchips für Rechenzentren. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 5,46 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie um 52 Prozent auf 2,14 Dollar. Die Prognose für das laufende Quartal übertraf ebenfalls die Markterwartungen.
Daimler Truck erhöhte die Prognose dank Fortschritten in den USA. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) soll nun zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro liegen, die Umsatzspanne im Industriegeschäft wurde auf 43 bis 47 Milliarden Euro erhöht.
Der Schmierstoffhersteller Fuchs hob nach einem überraschend starken ersten Halbjahr die Gewinnprognose an. Das Ebit werde 2026 voraussichtlich zwischen 460 und 480 Millionen Euro liegen, nach zuvor rund 450 Millionen Euro. Im zweiten Quartal übertraf der operative Gewinn von 135 Millionen Euro die Analystenschätzungen deutlich.
Die spanische Großbank Santander verdiente im zweiten Quartal dank höherer Einnahmen und der Übernahme von TSB mehr als erwartet. Der bereinigte Nettogewinn stieg um 17 Prozent auf 3,77 Milliarden Euro, getragen von einem Anstieg der Gebühreneinnahmen um zwölf Prozent.
Der Anlagenbauer GEA hob nach einem überraschend starken zweiten Quartal die Jahresziele an. Beim Umsatz wird nun ein organisches Wachstum von sechs bis acht Prozent erwartet, die operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) soll bei 17,0 bis 17,4 Prozent liegen.
Der Server-Anbieter Super Micro Computer profitiert vom KI-Boom: Im vierten Quartal gingen Aufträge im Wert von über 60 Milliarden US-Dollar ein. Die bereinigte Bruttomarge wird zwischen 15 und 17 Prozent erwartet, deutlich über der bisherigen Prognose.
Lindt & Sprüngli wuchs im ersten Halbjahr dank deutlicher Preiserhöhungen: Der Umsatz stieg organisch um 4,3 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich auf 260,2 Millionen Franken. Der Volumenrückgang von 7,5 Prozent war auf die Kaufzurückhaltung in Europa zurückzuführen.



