Die Toten Hosen haben nach neunjähriger Pause ihr 16. Studioalbum veröffentlicht. Es trägt den Titel „Trink aus! Wir müssen gehen“ und soll das letzte reguläre Album der Band sein. Das Werk, das am Freitag, den 29. Mai, erschien, ist eine emotionale Achterbahnfahrt – von punkigen Krachern bis hin zu nachdenklichen Liebeserklärungen.
Überraschung zum Auftakt
Das offiziell veröffentlichte Album beginnt mit einer unerwarteten Überraschung. Anders als die Vorabexemplare für Journalisten enthält die finale Version ein zusätzliches Stück als Intro: „Hier sind die Hosen“, eine fast vier Minuten lange Hymne von Farin Urlaub von den Ärzten. Das Stück ist eine Verneigung vor den einstigen Erzfeinden, die längst zu Freunden geworden sind, und geht als sich steigerndes Präludium direkt unter die Haut.
Nach dem Eröffnungstrack „Wir waren nie weg“ folgt mit „Die Show muss weitergehen“ ein bereits vorab ausgekoppelter Song, der den Fans signalisiert: Die Hosen sind noch lange nicht fertig. Doch dann taucht das Album die Hörer in ein Wechselbad der Gefühle.
Von Liebe und Abschied
Die Stimmung schlägt um: Nachdenklich, traurig, melancholisch. Liebeserklärungen in Songform gehen an Campinos Sohn Lenn („Glück“), an Menschen mit Zivilcourage („Kein Blatt zwischen uns“) und an die Heimatstadt Düsseldorf („Du hast keinen Dom, keinen Pulsschlag aus Stahl...“). Es geht ums Sterben („Augen zu“) und um einen Heiratsantrag („Ich will“). Politische Töne schlägt „Schlechte Nachbarn“ an, ein Stück im typischen Hosen-Stil, das sich mit dem Rechtsruck der Gesellschaft auseinandersetzt. Der Titeltrack „Trink aus! Wir müssen gehen“ klingt endgültig nach Abschied: „Wir waren eh‘ schon viel zu lange unterwegs.“
Kunstvolles Cover und Studioarbeit
Die Hosen haben sich für ihr letztes Album mächtig ins Zeug gelegt: Zwei Jahre Studioarbeit mit Unterbrechungen stecken in den 15 Songs. Das Albumcover stammt von Fotokunststar Andreas Gursky, der sein berühmtestes Werk „Rhein II“ – zeitweise das teuerste Foto der Welt – neu interpretierte. Diesmal zeigt es einen reparaturbedürftigen Opel samt Band am Rheinufer, eine Anspielung auf das Debütalbum „Opel Gang“ von 1983.
In einer ARD-Dokumentation wird deutlich, dass die Entscheidung für ein letztes Album intern umstritten war. Sänger Campino (63) erklärte der dpa: „Dass man sich noch mal auf ein ganzes Album einlässt, das wird auf keinen Fall passieren. Bei aller Wehmut: Das Gefühl, dass es so richtig ist, überwiegt bei Weitem.“
Offene Bühnenfrage
Ob das für Juli 2027 in Düsseldorf geplante letzte Konzert auch der endgültige Bühnenabschied sein wird, ließ Campino offen. Eine Unplugged-Tournee schloss er nicht aus. „Ich freue mich wirklich über das, was wir da hinterlassen, aber es war auch eine Kraftanstrengung“, sagte er. Von 200 bis 300 Liedideen blieben letztlich 15 übrig. Campino ist mit fünf bis sechs Songs richtig zufrieden, darunter „Was ist mit uns los“, „Schlechte Nachbarn“ und „Lass mal nicht machen“. „Glück“ war ihm ein Anliegen, „Düsseldorf“ werde für die Region seinen Job machen.
Bonusalbum als Wundertüte
Neben den 15 neuen Songs und der Hymne von Farin Urlaub gibt es ein Bonusalbum mit dem Titel „Alles muss raus“. Die Toten Hosen haben 25 Cover-Stücke neu interpretiert und mit den Original-Interpreten im Duett neu eingesungen. Zu den Gästen zählen Vicky Leandros, Wolf Biermann, Bettina Wegner, Wolfgang Niedecken, Sven Regener, Blixa Bargeld und Marian Gold von Alphaville. „Der einzige Parameter war: Mit wem wollen wir unbedingt nochmal arbeiten und wer ist uns bislang durch den Rost gefallen?“, so Campino. So entstand unter anderem eine Hosen-Version des BAP-Klassikers „Kristallnaach“ von 1982, dem Gründungsjahr der Band.
Das Album ist ein würdiger Abschluss einer 44-jährigen Bandgeschichte – und vielleicht doch nicht das Ende.



