US-Präsident Donald Trump hat im Handelskonflikt mit Kanada die Schrauben weiter angezogen und neue Zusatzzölle in Höhe von 50 Prozent auf eine breite Palette kanadischer Importgüter angekündigt. Betroffen sind unter anderem Hockeyschläger, Wein und Zement, wie das Weiße Haus mitteilte. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bezifferte das Volumen der betroffenen Importe auf rund 20 Milliarden US-Dollar. Die Zölle sollen 30 Tage nach Unterzeichnung in Kraft treten, voraussichtlich am 19. August.
USA werfen Kanada diskriminierende Behandlung vor
Laut einer Erklärung aus dem Weißen Haus reagieren die USA damit „auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte“. Trump beklagt seit langem ein angebliches Handelsungleichgewicht zulasten der USA und setzt Zölle als zentrales Instrument seiner zweiten Amtszeit ein. Kanada hingegen sieht in den neuen Abgaben einen Verstoß gegen das bestehende Freihandelsabkommen zwischen den Nachbarländern.
Die neuen Zölle sind eine weitere Eskalation im Handelsstreit. Trump hatte zuvor bereits mit Zöllen gedroht, die er teils nicht umsetzte. Zudem musste er nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA zurückrudern, das ihm untersagte, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz pauschale Importzölle zu verhängen. Seither sucht die Regierung alternative Wege, um Zölle durchzusetzen.
Kanada signalisiert Gesprächsbereitschaft
Der kanadische Premierminister Mark Carney reagierte auf die Ankündigung mit einer Mischung aus Dialogbereitschaft und Stärke. „Kanada ist bereit, sich mit Nachdruck an Gesprächen zu beteiligen, um noch offene Streitpunkte mit den USA zu lösen“, erklärte er. Zugleich betonte er, dass man die Stärke Kanadas ausbauen wolle. Die kanadische Regierung hatte zuvor mehrfach betont, dass man auf US-Zölle mit eigenen Gegenmaßnahmen reagieren werde.
Experten warnen vor negativen Folgen für beide Volkswirtschaften. Kanada ist einer der wichtigsten Handelspartner der USA; das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern belief sich 2025 auf über 700 Milliarden US-Dollar. Die neuen Zölle könnten insbesondere die Preise für Baumaterialien wie Zement sowie für Konsumgüter wie Wein in den USA in die Höhe treiben.
Trump verknüpft Zölle mit kanadischen Waldbränden
Bereits vor wenigen Tagen hatte Trump Kanada mit höheren Zöllen gedroht – mit einem ungewöhnlichen Argument: Die durch Waldbrände in Kanada verursachte Luftverschmutzung in den USA führe zu hohen Kosten, die „zwangsläufig“ den bestehenden Zöllen hinzugerechnet werden müssten. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump, dass die USA durch die „unnötige, ungesunde Luft“ belastet würden.
In der vergangenen Woche hatten großflächige Waldbrände in Kanada zu dichten Rauchschwaden im Nordosten der USA geführt. In der Hauptstadt Washington wurde zeitweise eine Warnung vor schlechter Luftqualität ausgesprochen; Brandgeruch lag in der Luft. Trump nutzte dies als Begründung für weitere Handelsrestriktionen, obwohl Fachleute einen direkten Zusammenhang zwischen den Bränden und kanadischer Handelspolitik als konstruiert ansehen.
Die kanadische Regierung wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, die Interessen der kanadischen Wirtschaft zu verteidigen. Ob die neuen Zölle tatsächlich wie angekündigt in Kraft treten, bleibt abzuwarten, da Trump in der Vergangenheit mehrfach Zolldrohungen nicht umgesetzt hat.



