Der Westermann-Verlag schließt seine Druckerei in Zwickau mit 170 Beschäftigten. Die Produktion wird voraussichtlich zum 31. August eingestellt, wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage bestätigte. Als Grund nennt das Unternehmen „anhaltend schwierige Marktbedingungen“ in Deutschland, die zu starken Auftragsrückgängen geführt hätten. Die Schließung war bereits zuvor von der „Freien Presse“ berichtet worden.
Hohe Kosten als Hauptgrund
„Die hohen Personal- und Energiekosten in Deutschland haben dazu geführt, dass die Produktion im Vergleich zum Beispiel zu osteuropäischen Anbietern nicht mehr konkurrenzfähig war, trotz erheblicher Investitionen in neue Maschinen“, erklärte Timo Blümer, kaufmännischer Geschäftsführer der Westermann Gruppe. Die gesamte Druckbranche leide unter Überkapazitäten bei gleichzeitig sinkender Nachfrage. Die Zwickauer Druckerei war auf hochwertigen Vierfarbdruck spezialisiert und produzierte vor allem Schulbücher, Reiseführer, Fachbücher, Ratgeber, Medizinbücher sowie Kinder- und Jugendbücher.
Geschichte seit den 1950er Jahren
Die Druckerei blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde in den 1950er Jahren als sogenannte Volksdruckerei gegründet. Später stellte sie hochwertige Bildbände für den Export in die damalige Sowjetunion her und arbeitete für alle großen Verlage der DDR. 1990 übernahm die Westermann-Gruppe den Betrieb, die unter anderem durch das Lernsystem LÜK bekannt ist. Nach der Übernahme wurde die Druckerei modernisiert und auf die Produktion anspruchsvoller Bücher ausgerichtet.
Unterstützung für die Beschäftigten
Den 170 betroffenen Mitarbeitern wird der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten. Dort sollen sie sich für andere Jobs qualifizieren und Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz erhalten. Die Schließung bedeutet das Ende eines traditionsreichen Standorts nach rund 70 Jahren. Die Verlagsgruppe bedauert die Entscheidung, sieht jedoch keine Alternative angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.



