Champagnerkrise: Winzer begrenzen Erntemenge drastisch
Winzer reagieren auf Champagnerkrise mit Mengenbegrenzung

Der Champagnerverband Comité Champagne hat die Erntemenge für das Jahr 2026 auf 8800 Kilogramm Trauben pro Hektar beschränkt. Dies ist die vierte Reduktion in Folge, nach 11.300 kg im Jahr 2023. Die Maßnahme dient dazu, das Überangebot abzubauen und die Preise zu stabilisieren. Hintergrund ist eine tiefgreifende Absatzkrise: Im Vergleich zu 2022 ist der Verkauf von Champagner um rund 60 Millionen Flaschen eingebrochen.

Die auf die Branche spezialisierte Ökonomin Aurélie Ringeval-Deluze von der Universität Reims bezeichnet die aktuelle Situation als „vielleicht tiefste Krise der vergangenen 50 Jahre“. Im Lokalradio ICI erklärte sie: „Die Champagne war immer anfällig für geopolitische Krisen.“ Aktuell belasten der Irankrieg, die schwächelnde Weltwirtschaft und drohende US-Importzölle von 100 Prozent den Absatz. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt.

Absatzrückgang und Überfüllung der Keller

Laut Zahlen des Syndicat Général des Vignerons de Champagne (SGV) können mit der aktuellen Erntemenge 253 Millionen Flaschen produziert werden. 2022 wurden noch 326 Millionen Flaschen abgesetzt, im vergangenen Jahr nur 266 Millionen – ein Rückgang von 1,8 Prozent. Die Lagerbestände sind auf 1,3 Milliarden Flaschen angewachsen, was fünf Jahren Verkauf entspricht. Normalerweise betragen die Vorräte 3,5 bis vier Jahre.

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Veränderter Konsum und Konkurrenz

Der heimische Markt in Frankreich, der rund 42 Prozent des Absatzes ausmacht, läuft weiterhin schlecht. Studien zeigen, dass vor allem junge Erwachsene weniger Champagner trinken. Gleichzeitig gewinnen günstigere Alternativen wie Crémant, Prosecco oder Winzersekt an Beliebtheit. Die Preise für Champagner stiegen seit 2022 um 40 Prozent, was den günstigeren Schaumweinen Auftrieb gab. Zudem wird Champagner durch die zunehmende Macht der großen Häuser als industrieller wahrgenommen, was dem Luxusimage schadet.

Große Häuser und kleine Winzer

Die großen Gruppen wie LVMH mit Marken wie Veuve Clicquot, Dom Pérignon, Krug und Moët & Chandon haben finanziellen Spielraum, um die Krise zu überstehen. Dennoch kündigte Moët & Chandon im vergangenen Jahr an, die Belegschaft um zehn Prozent zu reduzieren. Das Haus Pommery gilt als hochverschuldet und verhandelt eigenen Angaben zufolge mit Gläubigern über einen Zahlungsaufschub. Berichten zufolge verhandelt die Wiesbadener Sektkellerei Henkell Freixenet über einen Einstieg.

Für kleinere Häuser und unabhängige Winzer wird die Lage kritisch: Sie benötigen fast 10.000 Kilogramm Trauben pro Hektar, um rentabel zu wirtschaften. Der Preis für die Trauben, die sie an große Häuser oder Händler verkaufen, könnte bei weiter sinkender Nachfrage fallen. Alternativen wie der Export von Trauben aus der Region sind durch die geschützte Herkunftsbezeichnung AOC verboten.

Hoffnung auf neue Märkte

Die Branche setzt auf den Export nach Südamerika. Das Freihandelsabkommen der Mercosur-Länder (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) mit der EU trat am 1. Mai dieses Jahres zumindest teilweise und vorläufig in Kraft und könnte den Zugang erleichtern. Rabattaktionen, wie in der Autoindustrie üblich, schließt die Champagnerbranche jedoch aus, um das Luxusimage nicht zu gefährden. Die Entscheidung des Comité Champagne, die Erntemenge zu begrenzen, ist ein strategischer Schritt, um die langfristige Stabilität des Marktes zu sichern, auch wenn die aktuellen Aussichten düster sind.

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