Die Carl Zeiss AG mit Sitz in Oberkochen (Baden-Württemberg) überrascht mit einem XXL-Sparprogramm. Nur wenige Wochen nachdem die Tochterfirma Carl Zeiss Meditec den Abbau von 1000 Stellen in Deutschland verkündet hatte, zieht jetzt der Mutterkonzern nach. Zeiss-Sprecher Julian Bosch erklärte gegenüber BILD: „Insgesamt planen wir, gegenüber der aktuellen Kostenbasis Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro per annum über die nächsten drei Jahre zu erzielen.“ Das bedeutet Einsparungen pro Jahr.
Der Grund für das gigantische Sparprogramm
Drei von vier Unternehmenssparten schwächeln. Nur die Halbleiterfertigungstechnologie läuft gut. So konnte der Mutterkonzern im vergangenen Jahr noch ein Umsatzplus von 9 Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro verzeichnen. Doch im ersten Halbjahr gab es bisher nur noch ein Mini-Wachstum von 1 Prozent (Umsatz bislang: 5,84 Milliarden Euro). „Die anhaltende Unsicherheit im Geschäftsumfeld wird unsere Sparten weiterhin belasten“, so Konzernchef Andreas Pecher (56).
Das neue Sparprogramm zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Julian Bosch sagt: „Die Kosteneinsparungen dienen dazu, Mittel für Zukunftsinvestitionen freizusetzen und weiterhin überdurchschnittlich stark in Forschung und Technologieentwicklung zu investieren.“ Und weiter: „Einige Kostensparmaßnahmen werden sich auch auf die Zahl der Arbeitsplätze bei Zeiss auswirken.“ Also Stellenabbau. Eine konkrete Zahl der betroffenen Stellen könne der Konzern bisher nicht nennen. Kündigungen werden nicht ausgeschlossen. Eine bittere Nachricht für die Mitarbeiter, nachdem schon bei Carl Zeiss Meditec 1000 Stellen gestrichen werden.
So soll der Sparkurs umgesetzt werden
Die Maßnahmen, die in den kommenden Monaten zwischen Vorstand, Management und Arbeitnehmervertretungen entwickelt werden, sollen je nach Sparte und Funktion variieren. Die Mitarbeiter würden kontinuierlich über die Entwicklung informiert.
Trotz der Herausforderungen sieht sich Zeiss in einer soliden Position. „Als Unternehmen in Stiftungseigentum tragen wir Verantwortung für den langfristigen Erfolg“, betonte Vorstandsvorsitzender Pecher. Dazu passt auch die 500-Millionen-Euro-Investition in den Gründungsstandort Jena (Thüringen). Dort entsteht derzeit ein neues Hightech-Gebäude für Entwicklung und Fertigung. Ab Mitte 2027 sollen dort rund 2500 Menschen arbeiten.
Die Carl Zeiss AG beschäftigt weltweit mehr als 46.600 Mitarbeiter. Der Hauptsitz befindet sich in Oberkochen. Das Unternehmen ist bekannt für seine hochpräzisen optischen Systeme und Messtechnik. Die aktuellen Sparmaßnahmen zeigen, dass auch starke Unternehmen in schwierigen Zeiten Anpassungen vornehmen müssen.



