Der 180 Jahre alte Industriekonzern Carl Zeiss aus Oberkochen beweist, dass deutsche Hochtechnologie weltweit noch immer führend ist. Mit einem Umsatz von fünf Milliarden Euro, einem Wachstum von 23 Prozent und einer zweistelligen Ebit-Marge gehört die Halbleitersparte zu den erfolgreichsten deutschen Industriegeschäften. Besonders bemerkenswert ist nicht nur ihre Größe und Rentabilität, sondern auch ihre Herkunft: In den Ursprüngen von Zeiss existierte dieses Geschäftsfeld überhaupt nicht.
Die Fähigkeit zur ständigen Neuerfindung
Die Geschichte von Zeiss zeigt, woran viele Traditionsunternehmen scheitern und was wenigen gelingt: die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Der Optikpionier aus dem schwäbischen Oberkochen ist zum stillen Vorzeigeunternehmen der deutschen Industrie aufgestiegen und ein Gegenbeispiel für die Erzählung von der unaufhaltsamen Deindustrialisierung. Das eindrucksvollste Beispiel für diese Transformationsfähigkeit ist das Chipgeschäft, das den Konzern heute prägt.
Die komplexeste Maschine der Welt
Zwischen Wiesen und Wald am Ortsrand von Oberkochen erhebt sich ein Industriekomplex von der Dimension eines internationalen Flughafens. Mehrere Hundert Meter Parkhaus, daneben Fabrikhallen und Labore: Hier entwickelt und produziert Zeiss die Hochleistungsoptiken für die Chipmaschinen des niederländischen Konzerns ASML. Diese Komponenten sind ein Schlüssel des globalen KI-Booms.
Die Innovationskraft von Zeiss beruht auf einer langen Tradition der Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in neue Technologien und passt sich den verändernden Marktbedingungen an. Dabei setzt Zeiss auf eine Kombination aus Präzisionsoptik, modernster Fertigung und enger Zusammenarbeit mit Partnern wie ASML.
Der Erfolg der Halbleitersparte ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein traditionsreiches Unternehmen durch konsequente Innovation und Anpassungsfähigkeit neue Geschäftsfelder erschließen kann. Während viele andere Firmen in der Debatte um die Deindustrialisierung Deutschlands untergehen, zeigt Zeiss, dass mit der richtigen Strategie auch in einem Hochlohnland Weltspitze möglich ist.



