Berlin-Mitte als Studentenmagnet: Investoren nutzen Wohnungsnot aus
Berlin-Mitte: Studentenmagnet und Profiteure der Wohnungsnot

Berlin-Mitte ist der heißeste Tipp für internationale Studierende in Europa. Das zeigen aktuelle Daten der Vermietungsplattform HousingAnywhere. Demnach entfielen 7,2 Prozent aller Suchanfragen auf den zentralen Berliner Bezirk – mehr als auf jeden anderen Stadtteil in ganz Europa. Die Kehrseite: Investoren nutzen die enorme Nachfrage aus, indem sie Wohnungen in immer kleinere Einheiten aufteilen und zu überhöhten Preisen vermieten.

Plattform profitiert von der Krise

Ausgerechnet HousingAnywhere, das die Daten bereitstellt, steht selbst in der Kritik. Eine Reportage des Zeit-Magazins mit dem Titel „Deutsche Slumlords“ deckte auf, wie das Unternehmen den angespannten Berliner Wohnungsmarkt ausbeutet. Wohnungen werden nicht als Ganzes vermietet, sondern in winzige Kammern zerteilt und möbliert an ausländische Studierende vergeben. Ein prominentes Beispiel ist die Turmstraße 11 in Berlin-Mitte: Dort werden Neun-Quadratmeter-Zimmer für 600 Euro monatlich angeboten. Möglich wurde dies durch eine Grundrissänderung, die der Bezirk zu spät untersagte.

Fünf Berliner Bezirke unter den Top Ten

Neben Berlin-Mitte landeten vier weitere Berliner Stadtteile in den Top Ten der europaweit am häufigsten gesuchten Wohngegenden: Friedrichshain (4,8 Prozent), Charlottenburg (4,7 Prozent), Prenzlauer Berg (4,0 Prozent) und Kreuzberg (4,0 Prozent). Auf den Plätzen folgen Ixelles in Brüssel (5,8 Prozent), das Stadtzentrum von Madrid (5,6 Prozent) und Eixample in Barcelona (5,4 Prozent). Etterbeek (Brüssel) und Salamanca (Madrid) komplettieren die Liste.

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Berlin bleibt damit das beliebteste nicht englischsprachige Ziel für Auslandsstudierende – und die Hauptstadt ist die gefragteste Adresse bei der Wohnungssuche. Die Unesco bestätigt Deutschland als Top-Destination. Laut HousingAnywhere wurden für die Auswertung rund 246.300 Suchanfragen aus der ersten Jahreshälfte 2026 analysiert.

Politik steht vor Herausforderungen

Die extremen Mietpreise und die scheinbare Ohnmacht der Politik sind seit Jahren ein Thema – auch international. Berlins Bezirksbürgermeisterin von Mitte, Stefanie Remlinger (Grüne), bezeichnet überteuerte Wohnungen wiederholt als eine der größten Herausforderungen. Doch das Problem ist komplex: Rechtliche Hürden, wirtschaftliche Zielkonflikte und politische Uneinigkeit verhindern schnelle Lösungen.

HousingAnywhere selbst wirbt auf seiner Website mit „über 110.000 Angeboten in Europas beliebtesten Studierendenstädten“. Kritiker sehen darin ein Geschäftsmodell, das die Wohnungsnot weiter verschärft. Die Nachfrage nach zentralen Lagen bleibt ungebrochen – und wird von Investoren weiter ausgenutzt.

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