Die Steuererklärung gehört zu den unbeliebtesten Aufgaben im Jahr. Die Aussicht auf eine durchschnittliche Erstattung von 1172 Euro macht sie jedoch erträglicher. Die neue 1-Klick-Steuererklärung des Finanzamts verspricht nun eine einfache Lösung: Eine fertig ausgefüllte Erklärung auf dem Smartphone, die mit nur einem Tippen abgeschickt werden kann. Der unabhängige Geldratgeber Finanztip hat das Verfahren unter die Lupe genommen und erklärt, warum dieser schnelle Weg oft teuer werden kann.
So funktioniert die 1-Klick-Steuererklärung
Mit der kostenlosen App MeinElster+ können sich Interessierte seit Ende März für den Service anmelden. Ab Juli sollen sie dann einen Vorschlag für die Steuererklärung 2025 erhalten. Dieser basiert auf den dem Finanzamt bereits vorliegenden Daten wie Lohnsteuerbescheinigungen und Rentenbescheiden. Der Nutzer kann den Vorschlag prüfen, ergänzen oder mit einem Fingertipp bestätigen. Das klingt verlockend, hat aber einige Tücken.
Wer kann teilnehmen?
Zunächst richtet sich das Angebot nur an ledige Angestellte ohne Kinder und an Ruheständler, die keine weiteren Einkünfte wie aus Vermietung oder Kapitalerträgen haben. Laut Finanzbehörden sind das rund 11,5 Millionen Menschen. Allerdings ist die größte Gruppe der Angestellten in der Regel nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Das federführende bayerische Finanzministerium konnte auf Anfrage von Finanztip nicht sagen, wie viele der Berechtigten tatsächlich abgabepflichtig sind. Zudem benötigt man ein Elster-Nutzerkonto, dessen Einrichtung mit einem modernen Personalausweis schnell geht, aber oft den klassischen Postweg erfordert, was bis zu zwei Wochen dauern kann.
Größter Kritikpunkt: Die 1-Klick-Option
Finanztip warnt: Die 1-Klick-Option verleitet dazu, die Steuererklärung sofort abzuschicken. Dabei fehlen im Vorschlag des Finanzamts alle Ausgaben, die man absetzen kann – wie Werbungskosten, Spenden, Krankheitskosten oder Kosten aus der Nebenkostenabrechnung. Wer sofort klickt, verschenkt fast immer eine Steuererstattung. Zwar können diese Ausgaben in der App nachgetragen werden, doch die Bedienung von Elster ist nicht einfach und bietet keine Hilfestellungen wie kommerzielle Steuerprogramme. Auch Rentner und Pensionäre fahren meist besser ohne die 1-Klick-Lösung, zumal viele gar nicht abgabepflichtig sind.
Alternativprojekt: Amtsveranlagung
Ein weiteres Pilotprojekt ist die Amtsveranlagung in fünf Bundesländern: Hessen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dort erhalten ausgewählte Steuerzahler einen fertigen Einkommensteuerbescheid per Post. Stimmen die Daten, können sie zustimmen. Fehlen jedoch eigene Ausgaben, müssen sie eine komplette Steuererklärung neu machen und bis zum 31. Juli abgeben. Anders als bei der 1-Klick-Lösung sind hier alle Betroffenen abgabepflichtig.
Fazit: Selbermachen bleibt der beste Weg
Finanztip empfiehlt, weiterhin auf gute Steuerprogramme zu setzen, um die maximale Steuerersparnis zu erzielen. Diese helfen mit Hinweisen zu Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Im Test von Finanztip lagen Wiso Steuer und das kostenlose Check24 Steuer an der Spitze. Auch Smartsteuer, SteuerGo, Lohnsteuer kompakt, Taxfix, Steuerbot, Steuersparerklärung und Tax sind empfehlenswert. Alle Programme können die bereits vorliegenden Daten vom Finanzamt abrufen – und bieten weit mehr als die neuen Angebote der Finanzverwaltung.



