AutoSkandinavien im Doppelpack: Volvo PV444 und Polestar 2 im Vergleich
Volvo PV444 und Polestar 2: ein Alt-Neu-Vergleich

Der Volvo PV444 aus den 1950er Jahren und der aktuelle Polestar 2 könnten unterschiedlicher kaum sein – und doch verbindet sie eine gemeinsame skandinavische Wurzel. Während der Buckelvolvo mit seinem 51-PS-Benziner und manuellem Dreiganggetriebe ein Stück Automobilgeschichte verkörpert, steht der Polestar 2 mit 476 PS und rein elektrischem Antrieb für die Zukunft. Ein Vergleich, der zeigt, wie sich das Autofahren in über 70 Jahren verändert hat und ob Elektroautos das Zeug zum Klassiker haben.

Zwei Autos, eine Idee: Skandinavische Coolness im Doppelpack

Der PV444, Baujahr 1956, gehört zur sogenannten K-Serie und ist ein Vertreter der ersten Volvo-Modelle, die nach dem Zweiten Weltkrieg produziert wurden. Mit einer Länge von 4,45 Metern und einem Gewicht von unter einer Tonne ist er ein handliches Kaliber. Der Innenraum ist einfach, aber gemütlich mit weichen Polstern, einem riesigen Lenkradkranz und einem langen Schalthebel. Unter der Haube arbeitet ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit 51 PS. „Klingt wenig, oder?“, fragt der Autor Patrick Broich. Tatsächlich bewegt sich der Oldie quirlig von der Stelle, auch wenn das absolute Tempo begrenzt ist. Das manuelle Getriebe lässt sich einfach bedienen, selbst das Zurückschalten mit Zwischengas ist kein Problem.

Der Polestar 2 hingegen ist mit 4,61 Metern Länge und 2,2 Tonnen Leergewicht ein deutlich moderneres Fahrzeug. Er wird von zwei Elektromotoren angetrieben und leistet in der Dualmotor-Version 476 PS sowie 740 Newtonmeter Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 4,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 205 km/h. „Spontan wütende 740 Newtonmeter reißen die Limousine binnen 4,2 Sekunden auf 100 km/h“, so Broich. Der 82-kWh-Akku ermöglicht eine Realreichweite von mehreren Hundert Kilometern, und mit einer Ladeleistung von bis zu 205 kW ist der Akku in 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen.

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Der Buckel: Ein Auto mit amerikanischem Touch

Interessant ist, dass der PV444 trotz seines skandinavischen Ursprungs stark von US-amerikanischem Design beeinflusst ist. Er wurde nicht nur in Schweden, sondern auch in den Niederlanden produziert und in Nordamerika verkauft – ein echtes Weltauto. Der Polestar 2 hingegen läuft im chinesischen Taizhou vom Band, hat sich aber seine skandinavische Note bewahrt, insbesondere durch die markante Thorshammer-Optik der Scheinwerfer. „Vielleicht ist der Polestar 2 viel nordischer, als der Buckel es je sein wird“, schreibt Broich.

Fahrerlebnis: Von gemächlich bis brachial

Der Unterschied im Fahrerlebnis könnte größer kaum sein. Im PV444 ist man bei Landstraßentempo bereits gefordert, das große Lenkrad festzuhalten und die Bremswege zu bedenken. Die Beschleunigung fällt eher asthmatisch aus. Im Polestar 2 hingegen sorgt die spontane Kraftentfaltung für Schwindelgefühle bei den Passagieren. Das Fahrwerk ist straff und sportlich abgestimmt, was nicht jedem Geschmack entspricht. „Er vermittelt einen sportlichen Hauch; die Fahrwerksnote könnte dem einen oder anderen Interessenten vielleicht sogar eine Spur zu straff sein“, so Broich.

Klassikerpotenzial: Kann ein Elektroauto sammelwürdig sein?

Die Frage, ob Elektroautos das Zeug zum Klassiker haben, beantwortet der Vergleich mit einem klaren Ja. Der Polestar 2 mit seiner eigenwilligen Crossover-Karosse und individuellen Stil könnte durchaus als Sammlerstück überleben. Der PV444 wiederum ist bereits jetzt ein begehrter Oldtimer. Die Preise für einen fahrbereiten 444 mit frischem TÜV liegen laut einschlägigen Internetbörsen zwischen 10.000 und 15.000 Euro – ein Betrag, der sich kaum verliert. Allerdings sollte man eine vertrauenswürdige Werkstatt im Hinterkopf haben. Der Polestar 2 ist selbst gegen Ende seiner Laufzeit ein empfehlenswerter Langstreckler, der mit seinem 82-kWh-Akku und der relativ schnellen Ladezeit auch heute noch überzeugt.

Fazit: Beide haben ihren Reiz

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass beide Fahrzeuge auf ihre Art cool sind. Der Buckelvolvo bietet einen authentischen Blick in die Vergangenheit des Autofahrens, während der Polestar 2 zeigt, wie weit die Technik gekommen ist. Wer kann, sollte sich am besten beide in die Garage stellen – Skandinavien im Doppelpack eben.

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