Seltene Spielerkarten in „EA FC 25“, begehrte Skins in „Fortnite“ oder wertvolle Cases bei „Counter-Strike“: Viele beliebte Videospiele setzen auf Belohnungssysteme mit Zufallsprinzip. Die sogenannten Lootboxen sorgen seit Jahren für Kritik. Fachleute sehen darin Mechanismen, die besonders Kinder und Jugendliche gefährden können. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) äußerte sich nun zu den Risiken.
Was sind Lootboxen?
Nach Angaben der BzKJ handelt es sich um virtuelle Behälter mit zufälligem Inhalt. Spieler können sie durch Erfolge im Spiel erhalten oder gegen echtes Geld beziehungsweise virtuelle Währungen erwerben. Hinweise wie „In-Game-Käufe“ oder „zufällige Objekte“ deuten oft auf solche Mechaniken hin. Der entscheidende Punkt: Niemand weiß vor dem Öffnen, welcher Gegenstand enthalten ist. Dabei treten Lootboxen längst nicht nur als klassische Schatzkisten auf. Sie können ebenso Kartenpacks, Glücksräder, Geschenke, Lose oder schlüpfende Eier darstellen. Laut BzKJ ähneln sie in ihrer Struktur häufig Glücksspielangeboten.
Warum das Risiko so groß ist
Die zufälligen Belohnungen können dazu führen, dass Spieler die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren oder immer mehr Zeit investieren. Experten befürchten zudem, dass die Hemmschwelle gegenüber echtem Glücksspiel sinkt. Besonders gefährdet sind Minderjährige. Der für Planung, Kontrolle und rationales Handeln wichtige präfrontale Cortex entwickelt sich bis Mitte 20 vollständig. Bereiche des Gehirns, die Belohnungen und Emotionen verarbeiten, reifen dagegen früher. Dadurch reagieren junge Menschen oft stärker auf Anreize und zeigen häufiger impulsives Verhalten.
Streit um die Rechtslage
Ob Lootboxen rechtlich als Glücksspiel gelten, ist in Deutschland weiterhin umstritten. Zwar untersagt der Glücksspielstaatsvertrag Minderjährigen die Teilnahme an Glücksspielen. Ob virtuelle Gewinne jedoch rechtlich wie echte Gewinne behandelt werden müssen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Seit 2023 fließen Lootboxen in die Altersbewertungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ein. Dadurch können Videospiele höhere Altersfreigaben erhalten. Zusätzlich greifen europäische Regeln. Plattformen, die unter den Digital Services Act fallen, müssen Minderjährige besser schützen. Dazu gehören etwa Alterskontrollen oder Zugangsbeschränkungen. EU-Leitlinien sollen Kinder und Jugendliche vor solchen Mechanismen schützen. Auch der geplante Digital Fairness Act (DFA) könnte weitere Vorgaben bringen.
So können Eltern reagieren
Vollständigen Schutz gibt es nicht. Deshalb raten Experten, offen mit Kindern über Lootboxen zu sprechen und sich selbst über die Systeme zu informieren. Die BzKJ arbeitet dafür mit klicksafe zusammen. „Hier können Kinder und Jugendliche ihr Wissen zu In-Game-Käufen und Lootboxen testen“, erklärt die Behörde. Dazu gehört auch ein Quiz. Weitere Empfehlungen:
- Bei Neuanschaffungen möglichst Spiele ohne Lootboxen auswählen. Orientierung bietet eine englische Website.
- Mit Kindern feste Ausgabenlimits vereinbaren und darauf achten, dass ausreichend Geld für andere Wünsche bleibt.
- Kinder sollten sich nicht gegenseitig zum Kauf drängen oder andere wegen fehlender Käufe ausgrenzen.
Weitere Informationen finden Familien im Spieleratgeber NRW. Hilfe für sichere Geräteeinstellungen gibt es auf der Website „Medien kindersicher“.



