Illegale Zigarettenfabriken in Deutschland boomen: Organisierte Kriminalität produziert zunehmend vor Ort
Illegale Zigarettenfabriken: Kriminelle setzen auf Deutschland

Illegale Zigarettenproduktion in Deutschland nimmt zu

Die organisierte Kriminalität verlegt sich zunehmend darauf, illegale Zigaretten direkt in Deutschland herzustellen. Das zeigt die aktuelle KPMG-Studie zum Konsum illegaler Zigaretten und erhitztem Tabak in Europa 2025, die vom Tabakkonzern Philip Morris in Auftrag gegeben wurde. Demnach verändern sich die Strukturen der Kriminellen: Produktions- und Lieferketten werden aufgeteilt, und illegale Fabriken entstehen verstärkt in Westeuropa. Deutschland gewinnt dabei als Produktionsstandort für illegale Tabakprodukte an Bedeutung, die auch in andere EU-Staaten geliefert werden.

Zoll entdeckt immer mehr illegale Fabriken

Allein im vergangenen Jahr wurden europaweit mehr als 100 illegale Zigarettenfabriken entdeckt. René Matschke, Leiter des Hauptzollamts Regensburg, erklärte, dass solche Betriebe früher vor allem in osteuropäischen Grenzregionen angesiedelt waren. Heute entfallen Grenzkontrollen, und die Produktion erfolgt direkt in Westeuropa. Im März 2025 hob der Zoll in Düsseldorf-Lierenfeld eine komplette illegale Produktionsanlage aus, die aus Tabakschneide- und Trocknungsmaschinen, Herstellungs- und Verpackungseinheiten, Stromgeneratoren und Abluftanlagen bestand. Sichergestellt wurden zudem 15 Tonnen Tabak, über 25 Millionen gefälschte Zigaretten sowie große Mengen an Vorprodukten.

Professionelle Strukturen der Kriminellen

Matschke betonte, dass die Einfuhr von Rohtabak und Maschinen zur Zigarettenherstellung nach Deutschland steuerfrei und ohne Zollüberwachung erlaubt ist. Kriminelle nutzen dies aus: Maschinen werden zwischen Ländern verschoben, tauchen dann in Deutschland auf. Die Organisationen arbeiten hochprofessionell mit spezialisierten Teams für Vertrieb, Herstellung oder Einkauf, unabhängig von Nationalität. Statt verlassener Firmengebäude nutzen sie heute saubere, professionelle Tarnfirmen mit eigenen Wänden, Geruchs- und Lärmfiltern, die auch Lieferverkehr legitimieren.

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Schwarzmarkt wächst trotz niedrigem Anteil

In Deutschland liegt der Anteil illegaler Zigaretten bei 2,5 Prozent, was im europäischen Vergleich niedrig ist. Dennoch stieg die konsumierte Menge von 1,7 auf 1,9 Milliarden Stück, was Steuerausfälle von rund 486 Millionen Euro verursacht – ein Plus von 85 Millionen Euro gegenüber 2024. Der Anteil gefälschter Zigaretten am illegalen Markt beträgt 32 Prozent, ein Anstieg um sechs Prozentpunkte. Frankreich bleibt mit 41,4 Prozent illegalen Zigaretten (20,5 Milliarden Stück) Spitzenreiter in Europa. Insgesamt ist in Europa jede neunte Zigarette illegal, was in 38 Ländern Steuerausfälle von 22,4 Milliarden Euro verursacht.

Die Studie basiert auf der Analyse leerer Zigarettenpackungen aus Mülleimern und Entsorgungsanlagen, darunter rund 100.000 Packungen aus Deutschland. Illegale Ware wird oft in Hinterhöfen oder auf Nachfrage hinter der Ladentheke verkauft.

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