Julia (30) hatte jahrelang unter blauen Flecken, Schmerzen und ständig dicker werdenden Beinen gelitten. Sie glaubte, sie müsse nur mehr Sport treiben. Doch ein zufälliger Hinweis beim Friseur brachte die erschütternde Wahrheit ans Licht: Sie leidet unter Lipödem – einer chronischen Krankheit, die Millionen Frauen betrifft und oft erst nach Jahren erkannt wird.
Die erschütternde Diagnose
„Die Friseurin fragte mich, ob ich schon einmal etwas von Lipödem gehört hätte“, erinnert sich Julia, die ihren vollständigen Namen nicht nennen möchte. Sie schildert in BILD, wie sich ihr Leben seit der Diagnose verändert hat. Die Behandlung sei schwierig. Die Lipödem-Krankheit führt zu einer unkontrollierten Vermehrung des Fettgewebes, vor allem an Beinen und Armen. Die Folge: Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Hämatome. Ohne Behandlung kann die Krankheit fortschreiten.
Warnzeichen – Worauf Frauen achten sollten
Facharzt Dr. Stefan Rapprich erklärt, dass die ersten Anzeichen oft übersehen werden. „Typische Symptome sind blaue Flecken ohne ersichtlichen Grund, eine dicke untere Körperhälfte bei schlankem Oberkörper und Schmerzen bei Druck oder Bewegung“, sagt er. Frauen sollten auf diese Warnzeichen achten: unverhältnismäßig dicke Beine, schnelle Blutergüsse, ein Spannungsgefühl und eine verminderte Belastbarkeit. Ein einfacher Test kann helfen: Drücken Sie auf das Bein – bleibt eine Delle zurück? Das könnte auf ein Lipödem hindeuten.
Der BILD-Test: Sind Sie betroffen?
BILD hat einen Test entwickelt, mit dem Frauen ihre Symptome überprüfen können. Dabei werden Kriterien wie Verteilung des Fettgewebes, Schmerzempfindlichkeit und familiäre Vorbelastung bewertet. Laut Dr. Rapprich betrifft das Lipödem schätzungsweise zehn Prozent aller Frauen. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht, aber Hormone und Genetik spielen eine Rolle.
Behandlung und Folgen einer späten Diagnose
Die Therapie umfasst Kompressionskleidung, Lymphdrainage und in fortgeschrittenen Fällen eine Fettabsaugung. Krankenkassen übernehmen die Kosten jedoch nicht immer. Julia musste lange kämpfen, um eine anerkannte Diagnose und Behandlung zu erhalten. „Die späte Erkennung hat mir viele Jahre Leid und falsche Diäten beschert“, sagt sie. Ohne Behandlung kann das Lipödem zu Bewegungseinschränkungen und psychischen Belastungen führen. Dr. Rapprich betont: „Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen, das Fortschreiten aufzuhalten.“
Julia hat sich einer Liposuktion unterzogen und geht nun regelmäßig zur Lymphdrainage. Ihr Alltag ist leichter geworden, aber die Krankheit bleibt chronisch. Frauen, die ähnliche Symptome bemerken, sollten frühzeitig einen Facharzt aufsuchen. Der BILD-Test kann eine erste Orientierung bieten, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung.



