Sommerbad Neukölln bleibt wegen Bestellpanne geschlossen
Vor dem Hitzewochenende in Berlin sorgt eine absurde Posse für Unmut: Das Sommerbad Neukölln bleibt ausgerechnet zur Mega-Hitze geschlossen. Die Berliner Freibäder rechnen bei über 30 Grad mit einem großen Andrang am Wochenende – die Neuköllner hingegen müssen schwitzen.
Bestellpanne bei Aktivkohle verzögert Eröffnung
Das Sommerbad Neukölln bleibt geschlossen, Grund ist eine Panne bei der Bestellung von Aktivkohle für die Wasserfilter. Ursprünglich war die Eröffnung für den 18. Juni angesetzt. Nun mussten die Berliner Bäder-Betriebe mitteilen, dass sich der Zeitplan verzögert. Grund dafür sei ein fehlerhafter Bestellprozess bei der Beschaffung von Aktivkohle für die Wasserfilter der beiden großen Schwimmbecken. Dadurch hätten sich das Befüllen der Schwimmbecken und die anschließende Freigabe durch das Gesundheitsamt verzögert, hieß es. Neuer Termin für die Eröffnung des Sommerbades ist der 3. Juli.
Hoher Andrang in anderen Bädern erwartet
Außerhalb Neuköllns stellen sich die Bäder-Betriebe auf einen großen Besucherandrang am Wochenende ein. In der Hoffnung auf Abkühlung werden dann wohl viele Berlinerinnen und Berliner in die Sommerbäder stürmen. Auf über 30 Grad sollen die Temperaturen klettern. „Am kommenden Wochenende rechnen wir aufgrund der Wetterprognose mit einer hohen Auslastung in unseren Bädern“, sagt eine Sprecherin der Bäder-Betriebe der Berliner Morgenpost. „Wir empfehlen, vorab ein Online-Ticket für ein Eintrittszeitfenster zu buchen oder ein Abo abzuschließen, um garantiert Zutritt zu erhalten und den Expresseingang nutzen zu können.“
Für Besucher mit einem Online-Ticket, einem Abo oder einer Mehrfachkarte gibt es an warmen Tagen Expresseingänge. Sie müssen sich nicht an der Kasse anstellen, sondern können direkt durch das Drehkreuz gehen.
Ampelsystem regelt Zugang zu Freibädern
Spontan Entschlossene können auf der Website die Auslastung der Bäder über ein Ampelsystem recherchieren. Wer kurzfristig auf die Idee kommt, vor den hohen Temperaturen ins Freibad zu fliehen, dem empfehlen die Bäder-Betriebe, sich hier zu informieren. Ist die Ampel grün, ist die Auslastung gering. Ab einer orangen Ampelphase sind nur noch wenige Tickets erhältlich. Bei Rot folgt der Verkaufsstopp. Dann kommt nur noch rein, wer bereits im Vorfeld ein Ticket erworben oder ein Abo abgeschlossen hat. Eine Sommermehrfachkarte hilft bei roter Ampel nicht weiter.
Da der Sommer in Berlin bislang nicht für sonderlich hohe Temperaturen gesorgt hat, war der Saisonbeginn für die Bäder-Betriebe ruhig. Die Auslastung sei laut einer Sprecherin nur an den ersten sonnigen Wochenenden hoch gewesen. Der Einlass über Online-Tickets habe an diesen Tagen reibungslos funktioniert. An den kühleren Tagen seien viele Schwimmer auf die noch geöffneten Hallenbäder ausgewichen.
Videoüberwachung und Ausweiskontrollen auch in diesem Sommer
Auch in diesem Jahr postieren die Bäder Sicherheitskräfte an ihren Eingängen. „Zur Unterstützung unseres Personals werden pro Tag rund 100 Securitykräfte in den Sommerbädern im Einsatz sein“, sagt die Sprecherin. In den Sommerbädern Kreuzberg, am Insulaner, in Neukölln, Gropiusstadt und Pankow überwachen Videokameras die Eingänge. Stichprobenartig wird kontrolliert, ob der Name auf dem Online-Ticket mit dem Ausweis übereinstimmt. Außerdem gibt es am Eingang Sicherheitskontrollen.
Tumulte und Schlägereien an den Eingängen hatten im Sommer vor drei Jahren zu der Entscheidung geführt, den Eingangsbereich einiger Bäder mit Videokameras zu überwachen und die Ausweise der Besucherinnen und Besucher zu kontrollieren. Die Berliner Datenschutzbeauftragte hatte die Bäder-Betriebe für diese Maßnahmen im vergangenen Jahr verwarnt. Das Verwaltungsgericht Berlin entschied vor einem Monat aber, dass sie rechtens sind.
Weitere Schließungen: Strandbad Jungfernheide wegen Eichenprozessionsspinner
Mit Spandau Süd, Lichterfelde und Mariendorf müssen drei Sommerbäder wegen Sanierungsbedarf oder laufenden Sanierungsarbeiten geschlossen bleiben. Am Wochenende geschlossen bleibt das Strandbad Jungfernheide. Dort allerdings wegen des Eichenprozessionsspinners. Weil es die Härchen der giftigen Raupe aus dem Park bis ins Bad weht, sei es derzeit nicht verantwortbar, das Bad zu öffnen, sagt Betreiber Karl-Heinz Kabisch. Die Raupe kann Juckreiz und Atemprobleme auslösen.
„Ich sehe derzeit auch nicht, dass wir im Juni noch einmal öffnen“, sagt er. Der Bezirk hat zwar begonnen, die Nester im Park abzusaugen. Der Bereich rund um das Strandbad Jungfernheide ist allerdings als Letztes an der Reihe. „Das ist angesichts der kommenden Hitzeperiode für unsere Gäste schade und für uns ein wirtschaftliches Desaster“, sagt er. Aus seiner Sicht hätten Bezirksamt und Senat präventiv tätig werden müssen. Die Eichen im Volkspark Jungfernheide sind in diesem Jahr erneut stark vom Befall mit den Raupen betroffen. Jetzt sei es wichtig für das kommende Jahr, endlich vorausschauender zu handeln. Der Berliner Senat arbeitet laut eigenen Angaben derzeit „intensiv daran“, senats- und bezirksübergreifend Lösungen zur Eindämmung und Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu erstellen. Zu Wochenbeginn fand ein runder Tisch zwischen Bezirken und Senat statt.



