Venedig nimmt 2026 über fünf Millionen Euro Eintrittsgeld ein
Venedig: Über fünf Millionen Euro Eintrittsgeld 2026

Venedig hat in diesem Jahr mit seinem weltweit einzigartigen Eintrittsgeld für Tagesgäste mehr als fünf Millionen Euro eingenommen. Nach dem Ende der diesjährigen Bezahlsaison an diesem Wochenende meldete die Lagunenstadt über 650.000 zahlende Tagesbesucher. Offiziell handelt es sich noch um eine Testphase, doch kaum jemand zweifelt daran, dass die Regelung in der unter Massentourismus leidenden Stadt von Dauer sein wird. Die genauen Einnahmen für 2026 sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden; im Vorjahr lagen sie bei 5,4 Millionen Euro, 2024 bei 2,2 Millionen.

So funktioniert das Eintrittsgeld

Seit April mussten Tagesbesucher an insgesamt 60 Terminen Eintritt zahlen, unabhängig von der Aufenthaltsdauer. In der Regel betrug die Gebühr zehn Euro; wer mindestens drei Tage zuvor buchte, zahlte fünf Euro. Der Nachweis erfolgt per QR-Code auf dem Handy. Wer ohne gültigen Code erwischt wird, muss mindestens 60 Euro Strafe zahlen. Allerdings umgehen offenbar viele Besucher die Zahlung. Übernachtungsgäste sind vom Eintritt befreit, zahlen aber eine Kurtaxe. Auch Einwohner Venedigs und bestimmte Gruppen sind ausgenommen.

Bürgermeister plant deutliche Erhöhung

Für den Rest des Jahres können Tagesgäste nun kostenlos in die Stadt. Im nächsten Jahr soll die Regelung vermutlich wieder am Osterwochenende starten. Der neue Bürgermeister Simone Venturini, ein Mitte-Rechts-Politiker, hat bereits angedeutet, dass es künftig deutlich teurer werden könnte. „An bestimmten Terminen zwischen 30 und 50 Euro zu verlangen“, schlug Venturini vor. Die Entscheidung liegt jedoch nicht allein in Venedig: Auch die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom muss zustimmen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritik und verfassungsrechtliche Bedenken

Venedig hatte 2024 als erste Stadt weltweit Eintritt für einen Besuch erhoben – ähnlich einem Museum. Kritiker wenden ein, dass dies kaum jemanden abschrecke: Die Besucherzahlen sind bislang nicht zurückgegangen. Zudem gibt es verfassungsrechtliche Bedenken: Experten sehen in einer Gebühr von 50 Euro möglicherweise eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Venedig ist ohnehin teuer: Eine Einzelfahrt mit dem Vaporetto kostet 9,50 Euro, eine halbe Stunde Gondel mindestens 90 Euro.

Tourismusdruck in der Lagunenstadt

Venedig gehört zu den europäischen Städten, die viel Geld mit Tourismus einnehmen, aber auch schwer darunter leiden. Der Zustand vieler Häuser und die Müllberge sind sichtbare Folgen. Inzwischen gibt es in der Altstadt mehr Hotelbetten als Einwohner: Weniger als 50.000 Menschen leben dort – im Kontrast zu den Millionen Touristen jährlich. Das Eintrittsgeld soll den Ansturm mildern, doch ob es wirkt, bleibt umstritten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration