WM-Zeit: Spielsucht-Gefahr durch Wettwerbung – Kolumnist warnt
WM-Zeit: Spielsucht-Gefahr durch Wettwerbung

Berlin. Vor jedem Spiel der Weltmeisterschaft wird für Wetten geworben – für viele eine harmlose Ablenkung, für andere eine gefährliche Versuchung. Dieter Puhl, freier Kolumnist und ehemaliger Spielsüchtiger, berichtet in seiner Kolumne „Nachtgestalten“ von seiner eigenen Erfahrung und warnt vor den Risiken der allgegenwärtigen Wettangebote.

Fußball und die ständige Werbung für Wetten

Puhl liebt Fußball: die Spannung vor dem Anpfiff, die Gespräche, die Hoffnung. Doch seine Freude wird getrübt, denn vor, nach und sogar während der Spiele wird für Wetten geworben. „Wer gewinnt? Wer schießt das erste Tor?“, fragt er. Er empfindet Traurigkeit, denn er weiß, was hinter den bunten Bildern steckt – er war selbst 20 Jahre lang Automatenspieler, beginnend mit 16 Jahren.

Die Zerstörung durch Spielsucht

Seine Spielsucht zerstörte Beziehungen, Freundschaften und seine Existenz. Geld fehlte ständig für Miete, Kinobesuche, Essen oder Urlaub. Partnerschaften zerbrachen, Freundschaften litten, Arbeitsplätze waren gefährdet, Obdachlosigkeit drohte. Die größte Angst galt seiner kleinen Tochter: „Ich wollte ihr Vater sein, Vorbild, wollte sie begleiten“, schreibt Puhl. Er fürchtete, sie menschlich zu verlieren.

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Der Weg aus der Sucht

Herauszufinden aus der Sucht war schwer. Eine Selbsthilfegruppe, Freunde, Familie und eine langjährige Therapie halfen ihm. Es ging auch darum, mit Depressionen zu leben und umzugehen. Vor allem aber lernte er, Lebensfreude und Lebenslust zurückzugewinnen. „Früher habe ich oft geglaubt, mein Glas sei leer. Heute denke ich: Das stimmt gar nicht. Oftmals ist das Glas halb voll, manchmal fließt es sogar über“, so Puhl.

Die Geschäftsmodelle der Wettanbieter

Puhl wird hellhörig, wenn Glücksspiele heute so selbstverständlich daherkommen. „Denn bei all diesen Angeboten geht es nicht um die Liebe zum Sport. Es geht nicht um Gemeinschaft. Nicht um mein Wohl. Es geht um mein Geld“, betont er. Die Anbieter verdienen nicht daran, dass Menschen gelegentlich gewinnen, sondern daran, dass sie dauerhaft spielen.

Ein Appell an die Zuschauer

Während er die WM schaut und sich über Tore freut, denkt er an die Menschen, die gerade abrutschen. „Die vielleicht glauben, sie hätten alles im Griff. Die noch nicht wissen, wohin dieser Weg führen kann.“ Er erinnert sich an seine eigene Einsamkeit und ist dankbar, dass seine Tochter nicht an einem Spielautomaten verloren ging. „Das ist kein Gewinn. Das ist sehr viel mehr“, schließt er.

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