Reisende werden an Flughäfen, Raststätten und Bahnhöfen in der Gastronomie häufig zur Kasse gebeten. Die Preise für Speisen und Getränke liegen dort oft deutlich über dem Niveau in der Innenstadt. Ein Sprecher der Tank & Rast-Gruppe rechtfertigt dies mit dem Kundenfokus: „Als Unternehmen mit Kundenfokus legen wir großen Wert darauf, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis in unseren Betrieben stimmt.“ Dennoch bleibt der Vorwurf der Abzocke bestehen.
Standortbesonderheiten als Preistreiber
Die Anbieter verweisen auf die besonderen Bedingungen an diesen Standorten: Hohe Mieten, lange Öffnungszeiten und spezielle Sicherheitsauflagen. An Flughäfen kommen zusätzliche Kosten für die Logistik und die begrenzte Anzahl von Konzessionen hinzu. Ein Vertreter des Flughafenverbands ADV erklärt: „Die Gastronomiebetriebe an Flughäfen haben mit erheblichen Fixkosten zu kämpfen, die sich auf die Endpreise auswirken.“
Kartellbehörden und Verbraucherschützer halten sich zurück
Obwohl die Preise immer wieder kritisiert werden, greifen Kartellbehörden und Verbraucherschützer kaum ein. Das Bundeskartellamt prüft nur bei Verdacht auf marktbeherrschende Stellung oder Preisabsprachen. „Solange die Preise nicht auf missbräuchlichem Verhalten beruhen, sehen wir keinen Handlungsbedarf“, so ein Sprecher der Behörde. Verbraucherschützer hingegen fordern mehr Transparenz und vergleichbare Preisangaben, wie sie etwa in Supermärkten üblich sind.
Vergleich mit Supermärkten und Tankstellen
Ein Preisvergleich zeigt: Ein einfaches Sandwich kostet an Bahnhöfen oft das Doppelte wie im Supermarkt. Ein Liter Wasser ist an Flughäfen bis zu dreimal teurer. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert, dass Reisende kaum Ausweichmöglichkeiten haben. „Die Standorte sind faktisch Monopole, die Kunden können nicht einfach zum nächsten günstigeren Anbieter gehen“, sagt ein vzbv-Experte.
Rechtliche Grauzonen und mangelnde Kontrolle
Die rechtliche Handhabe gegen überhöhte Preise ist begrenzt. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) greift nur bei irreführenden oder aggressiven Geschäftspraktiken. Reine Preisüberhöhungen sind nicht per se verboten. Zudem fehlt es an einer zentralen Kontrollinstanz. Die Zuständigkeit liegt bei den Ländern, die unterschiedlich streng vorgehen.
Auswirkungen auf Reisende und Wirtschaft
Die hohen Preise belasten vor allem Vielfahrer und Pendler, die täglich auf diese Standorte angewiesen sind. Auch Touristen werden abgeschreckt. Die Deutsche Bahn verweist auf die Vertragsfreiheit: „Wir vermieten die Flächen an Gastronomen, die Preise bestimmen sie selbst.“ Dennoch gibt es Bestrebungen, die Transparenz zu erhöhen. Einige Bahnhöfe testen bereits digitale Preistafeln, die einen Vergleich zwischen den Anbietern ermöglichen.



