EZB belässt Leitzins bei 2,25 Prozent: Auswirkungen auf Tagesgeld und Bauzinsen
EZB belässt Leitzins bei 2,25 Prozent: Auswirkungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 23. Juli 2026 die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Einlagenzins, der für Sparer besonders relevant ist, bleibt bei 2,25 Prozent. Dies gab der EZB-Rat nach seiner turnusmäßigen Sitzung bekannt. Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund volatiler Energiepreise und hoher geopolitischer Unsicherheiten.

Gründe für die Zinspause

Laut EZB bewegen sich die Energiepreise derzeit weitgehend im Rahmen der Projektionen vom Juni, die Aussichten bleiben jedoch unsicher. Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust, erklärte: „Die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ist trotz der erneuten Anspannung der Konfliktlage im Nahen Osten angemessen.“ Entscheidend sei die weitere Entwicklung der Energiepreise. „Bleibt eine Entspannung bei den Preisen für Energie und andere Vorleistungen bis zur Septembersitzung der EZB aus, dürfte eine weitere Zinserhöhung notwendig werden“, so Heise.

Zinserhöhung im September möglich

Auch Oliver Kohnen vom Kreditvermittler Baufi24 sieht die Zinspause nicht als Ende der Debatte. „Von einer Entwarnung kann keine Rede sein.“ Der unmittelbare Inflationsdruck habe zwar nachgelassen, aber Energiepreise, geopolitische Risiken und die hohe Staatsverschuldung blieben wichtige Unsicherheitsfaktoren. Daher könnte bereits im September erneut über eine Zinserhöhung diskutiert werden. Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie bei Blackrock, hält dies ebenfalls für möglich, glaubt jedoch nicht an langfristig hohe Zinsen: „Die Märkte preisen für mehrere Jahre restriktive Leitzinsen ein – aus unserer Sicht ist das überzogen.“

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Tagesgeld und Festgeld: Leichter Aufwärtstrend erwartet

Für Sparer sind stabile oder steigende Leitzinsen grundsätzlich positiv, da Banken höhere Zinsen auf Einlagen weitergeben können. Allerdings geschieht dies nicht automatisch und nicht bei allen Instituten gleichermaßen, wie eine Auswertung von Verivox zeigt. Jasmin Ehlert von der Anlageplattform Raisin erwartet im weiteren Jahresverlauf einen leichten Aufwärtstrend bei den Sparzinsen. Neben den Erwartungen an die EZB spiele vor allem der Wettbewerb zwischen den Banken eine wichtige Rolle. Besonders bei Tagesgeld und Festgeldern mit kurzen Laufzeiten könnten die Zinsen noch leicht steigen. Ehlert empfiehlt eine sogenannte Zinstreppe: „Dabei wird das Geld auf Festgelder mit Laufzeiten von einem, zwei und drei Jahren verteilt. So wird regelmäßig ein Teil des Kapitals frei und kann bei steigenden Zinsen neu angelegt werden.“

Bauzinsen bleiben hoch

Für Immobilienkäufer ändert sich kurzfristig wenig. Bauzinsen orientieren sich nicht direkt am EZB-Einlagenzins, sondern an Renditen langfristiger Anleihen, Inflationserwartungen und Markterwartungen. Die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen liegen weiterhin bei rund vier Prozent, so Baufi24. Verantwortlich sind die anhaltend hohen Renditen langfristiger Bundesanleihen. Das Neugeschäft bei Wohnungsbaukrediten sank im Mai auf 17,2 Milliarden Euro – der niedrigste Stand seit Ende 2024, wie Barkow Consulting ermittelte. Nachfragedämpfend wirken hohe Bauzinsen, steigende Immobilienpreise und wirtschaftliche Unsicherheit. Oliver Kohnen sieht dennoch Chancen: „Für Kaufinteressenten ist das zunächst keine einfache Ausgangslage – langfristig dürfte Wohneigentum jedoch kaum günstiger werden.“ Gut vorbereitete Käufer könnten von Verkaufsdruck bei Eigentümern und Projektentwicklern profitieren.

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