EZB prüft Optionen zur Eindämmung von Milliardenverlusten
EZB prüft Optionen gegen Milliardenverluste

Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft Insidern zufolge mehrere Optionen, um ihre finanziellen Verluste einzudämmen. In der politisch sensiblen Debatte würden verschiedene Maßnahmen diskutiert, sagten vier mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bestätigte am Donnerstag, dass die Währungshüter eine Anhebung der Mindestreserveanforderungen erörtern. Dabei handelt es sich um die Einlagen, die Banken als Puffer unverzinst bei der Zentralbank halten müssen.

Gestaffelte Zinssätze und Gebühren als Alternativen

Zu den Alternativen zählen den Insidern zufolge ein gestaffelter Zinssatz, bei dem für einen Teil der Überschussreserven keine Zinsen gezahlt werden, oder die Einführung von Gebühren. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Derzeit müssen Geschäftsbanken ein Prozent ihrer Einlagen und bestimmter kurzfristiger Verbindlichkeiten als unverzinste Reserve bei ihren jeweiligen nationalen Notenbanken hinterlegen. Eine Verdoppelung auf zwei Prozent würde der EZB und den 21 nationalen Zentralbanken des Eurosystems nach Reuters-Berechnungen jährlich fast vier Milliarden Euro einsparen. Zudem könnten die Währungshüter die Verzinsung für einen Teil der Überschussreserven streichen.

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Hohe Zinskosten durch Überschussliquidität

Aktuell erhalten die Geldhäuser Zinsen in Höhe von 2,25 Prozent auf jeden Euro, den sie über das geforderte Minimum hinaus parken. Dies kostet das Eurosystem bei einer Liquidität von gut zwei Billionen Euro jährlich fast 50 Milliarden Euro an Zinszahlungen.

Verluste des vergangenen Jahrzehnts ausgleichen

All diese Schritte würden die finanzielle Belastung der nationalen Zentralbanken verringern und helfen, die Verluste aus der lockeren Geldpolitik des vergangenen Jahrzehnts auszugleichen. Zwischen 2015 und 2022 hatte die EZB durch Anleihekäufe enorme Summen in das Bankensystem gepumpt, um die Wirtschaft anzukurbeln und eine Deflation abzuwenden.

Ein Teil der von den nationalen Notenbanken erworbenen Papiere wies niedrige oder negative Renditen auf. Als die EZB zur Bekämpfung der hohen Inflation in den Jahren 2022 und 2023 ihren Einlagensatz drastisch anhob, bescherte dies den Zentralbanken hohe Verluste.

Eine Notenbank, die rote Zahlen schreibt, kann weniger Gewinne an den Staat ausschütten und muss im Extremfall sogar eine Kapitalerhöhung beantragen. Institute wie die Bundesbank haben dies bislang vermieden, indem sie ihre Verluste über mehrere Jahre verteilen.

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