EZB-Zinsentscheid heute: Expertin sieht Wettbewerb als neuen Treiber für Sparzinsen
EZB-Zinsentscheid: Expertin sieht neuen Treiber für Sparzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt heute um 14:15 Uhr ihren Zinsentscheid bekannt. Nach einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte im Juni, die den Einlagenzins auf 2,25 Prozent anhob, erwarten die meisten Experten eine Zinspause. Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco, sagt: „Nach der Anhebung um 25 Basispunkte im Juni erwarten wir, dass die EZB auf ihrer Juli-Sitzung den Einlagensatz unverändert bei 2,25 Prozent belassen wird.“

Warum eine Zinspause wahrscheinlich ist

Veit begründet seine Erwartung mit der zuletzt schwächer als erwartet ausgefallenen Inflation, dem mit dem Inflationsziel vereinbaren Lohnwachstum und der verhaltenen Konjunktur. Diese Faktoren sprächen für weniger Zinserhöhungen, als die Finanzmärkte derzeit einpreisten. Auch der Zeitplan der Notenbank spricht für eine Pause: Neue gesamtwirtschaftliche Projektionen veröffentlicht die EZB erst im September. Bis dahin dürfte der EZB-Rat weitere Daten abwarten. „Die Unsicherheit bleibt hoch“, so Veit.

Martin Wolburg, Ökonom bei Generali Investments, stimmt zu: Die jüngsten Inflationsdaten und die zwischenzeitliche Entspannung bei den Energiepreisen hätten den Handlungsdruck auf die EZB verringert. Die Inflationsaussichten entwickelten sich günstiger als noch in den Juni-Projektionen angenommen.

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Sparzinsen: Wettbewerb als neuer Treiber

Für Sparer sind stabile oder steigende EZB-Zinsen grundsätzlich positiv. Banken können höhere Zinsen auf Einlagen weitergeben, was jedoch nicht automatisch und nicht bei allen Instituten gleichermaßen geschieht. Jasmin Ehlert von der Anlageplattform Raisin rechnet in diesem Jahr mit einem langsamen Aufwärtstrend bei den Sparzinsen. Neben den EZB-Erwartungen treibe vor allem der Wettbewerb zwischen den Banken die Angebote. Besonders bei Tagesgeld und Festgeldern mit kürzeren Laufzeiten könnten die Konditionen leicht steigen.

Ehlert rät Sparern, die sich nicht langfristig binden möchten, zur Zinstreppe: Dabei wird das Kapital auf Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten verteilt, sodass regelmäßig ein Teil frei wird. „Sollten die Zinsen in der Zwischenzeit weiter steigen, kann dieses Kapital zu den dann höheren Konditionen reinvestiert werden“, erklärt die Expertin.

Mögliche Zinserhöhung im September

Ob die Zinspause über Juli hinaus Bestand hat, beurteilen Experten unterschiedlich. Veit rechnet mit einer abschließenden Erhöhung im September. Auch Wolburg sieht das Risiko einer weiteren Anhebung im September, „insbesondere dann, wenn die jüngste Eskalation im Iran-Konflikt anhalten sollte“. Steigende Öl- und Gaspreise könnten die Inflation erneut verstärken. David Kohl, Chefvolkswirt bei Julius Bär, erwartet dagegen keine zusätzliche Erhöhung und korrigiert seine Prognose nach unten: Der Leitzins bleibe für den Rest des Jahres 2026 und 2027 unverändert.

Bauzinsen: Keine unmittelbare Reaktion

Für Kreditnehmer folgen Bauzinsen dem EZB-Zins nicht direkt. Banken orientieren sich an Renditen langfristiger Anleihen, Inflationserwartungen und dem erwarteten geldpolitischen Kurs. Eine Zinspause im Juli bedeutet nicht automatisch günstigere Baufinanzierungen. Entscheidend sind die Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde für die kommenden Sitzungen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING, erwartet vorerst wenig Bewegung bei den Bauzinsen.

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