Am Freitag endet das Schuljahr in Bayern, und viele Familien freuen sich auf die Sommerferien. Doch für rund 1,9 Millionen Menschen im Freistaat wird die ersehnte Auszeit zur finanziellen Hürde: Sie können sich keinen einwöchigen Urlaub leisten. Das sind etwa 15 Prozent der bayerischen Bevölkerung, wie das Landesamt für Statistik in Fürth mitteilte. Die Daten stammen aus der EU-weiten Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), die in Deutschland im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wird. Dabei wird jährlich etwa ein Prozent der Bevölkerung befragt. Als Kriterium gilt, ob ein Haushalt eine einwöchige Urlaubsreise aus eigener Tasche bezahlen kann.
Hohe Belastung für Alleinerziehende und Singles
Besonders stark betroffen sind Alleinstehende und Alleinerziehende. Von den rund 2,6 Millionen Menschen, die in Bayern allein leben, kann sich gut ein Fünftel – 21 Prozent – keinen Urlaub leisten. Noch höher ist der Anteil bei alleinerziehenden Müttern und Vätern: Rund ein Drittel dieser Gruppe verfügt nicht über die nötigen Mittel, um eine Woche zu verreisen. Das Landesamt beziffert die Zahl der betroffenen Alleinerziehenden auf etwa 191.000. Damit sind sie überdurchschnittlich häufig von Urlaubsarmut betroffen, was auf niedrigere Einkommen und höhere Fixkosten pro Haushalt zurückzuführen ist.
Bundesweiter Vergleich: Bayern steht vergleichsweise gut da
Trotz der hohen Zahl zeigt der Vergleich mit dem Bundesschnitt, dass die bayerische Bevölkerung relativ gut gestellt ist. Bundesweit können sich 21 Prozent der Menschen keine einwöchige Urlaubsreise leisten – in Bayern liegt der Wert mit 15 Prozent deutlich darunter. Dennoch bleibt die Situation für Millionen von Menschen im Freistaat angespannt. Die bevorstehenden Sommerferien, die nach der Zeugnisausgabe am Freitag beginnen, verdeutlichen die Kluft zwischen denen, die sich Erholung leisten können, und jenen, die auf bleibende Nähe zum Wohnort angewiesen sind.
Hintergrund der EU-Erhebung
Die EU-SILC-Erhebung ist eine zentrale Datenquelle für Armuts- und Lebensbedingungen in Europa. In Deutschland wird sie mit dem Mikrozensus kombiniert, bei dem jährlich rund 370.000 Haushalte befragt werden. Die Daten helfen, soziale Ungleichheiten zu identifizieren und politische Maßnahmen zu steuern. Die aktuellen Zahlen für Bayern stammen aus der Erhebung für das Jahr 2025. Sie zeigen, dass Urlaubsreisen für viele Haushalte kein selbstverständliches Gut sind, sondern ein Luxus, der aufgrund steigender Lebenshaltungskosten und Mieten oft gestrichen werden muss.



