Minijob-Aus in Baden-Württemberg: 634.000 wären direkt betroffen
634.000 in BW direkt von Minijob-Aus betroffen

Rund 634.000 Menschen in Baden-Württemberg wären von einer Abschaffung der Minijobs direkt betroffen. Sie sind ausschließlich geringfügig beschäftigt und haben keinen sozialversicherungspflichtigen Hauptjob. Das geht aus aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes zur Jahresmitte 2025 hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Hintergrund: Rentenkommission empfiehlt Ende der Minijobs

Eine Kommission hatte der schwarz-roten Bundesregierung kürzlich Vorschläge für eine Rentenreform unterbreitet, die unter anderem die Abschaffung der Minijobs vorsieht. Die Kommission empfiehlt, Minijobs in die Rentenversicherung einzubeziehen und ihren steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus zu beenden. Ausnahmen sollen nur für Schülerinnen und Schüler möglich sein. Beschlossen ist noch nichts, Änderungen in den kommenden Monaten sind möglich.

Zahlen und Fakten: Wer wäre betroffen?

Zur Jahresmitte 2025 hatten knapp 1,24 Millionen Menschen in Baden-Württemberg einen Minijob. Davon waren 634.000 ausschließlich geringfügig beschäftigt, also ohne reguläre Haupttätigkeit. Fast 60 Prozent dieser Gruppe waren Frauen. Die restlichen rund 604.000 Menschen übten ihren Minijob zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle aus. Daten zu Schülern mit Minijob lagen nicht vor. Die Angaben stammen von der Bundesagentur für Arbeit; die Jahresmitte gilt als repräsentativer Wert.

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Branchen im Fokus: Handel und Gastgewerbe besonders betroffen

Handel und Gastgewerbe stellten Mitte 2025 die meisten Minijobber: Im Handel waren es mehr als 191.000, die meisten davon im Einzelhandel. Das Gastgewerbe folgte mit gut 172.000 Minijobbern. Zusammen vereinen beide Branchen fast jeden dritten Minijob im Land. Weitere große Branchen sind die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen – vor allem Gebäudebetreuung und -reinigung – mit rund 150.000 Minijobs, das Gesundheits- und Sozialwesen (rund 119.000) und die Industrie (rund 107.000). Insgesamt entfallen rund 84 Prozent aller Minijobs in Baden-Württemberg auf den Dienstleistungssektor.

Stimmen aus der Praxis: Dehoga und Handelsverband warnen

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Südwesten sieht die Branche in Gefahr. Sprecher Daniel Ohl erklärte: „Geringfügig Beschäftigte sind im Gastgewerbe unverzichtbar, um auf branchentypische Lastspitzen zu reagieren.“ Dazu zählten volle Biergärten im Sommer, Hochzeitsfeiern und Weihnachtsmärkte. Der flexible Einsatz von Minijobbern sei für die Wirtschaftlichkeit von höchster Bedeutung und sichere auch viele sozialversicherungspflichtige Jobs. Im Fall einer Abschaffung drohten Einschränkungen bei Speisekarten und Öffnungszeiten, im schlimmsten Fall komplette Schließungen. Insbesondere Kleinbetriebe auf dem Land sähen erhebliche Probleme.

Der Handelsverband Baden-Württemberg äußerte sich ähnlich. Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann betonte: „Wir sind auf flexible Beschäftigungsmodelle angewiesen.“ Spitzenzeiten etwa vor Feiertagen oder an Samstagen ließen sich mit klassischen Vollzeit- oder Teilzeitmodellen nur schwer abdecken. Viele Handelsunternehmen hätten bereits heute erhebliche Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden. Lange Öffnungszeiten sowie Arbeit am Abend und an Samstagen machten viele Stellen für Vollzeitkräfte weniger attraktiv. Minijobs komplett durch Vollzeitstellen zu ersetzen, sei kaum realistisch. Sollten Minijobs in der bisherigen Form wegfallen, würde dies die Personalplanung vieler Betriebe deutlich erschweren. „Langfristig könnten daraus Einschränkungen bei Serviceangeboten, eine geringere Flexibilität bei Öffnungszeiten oder zusätzliche Kostenbelastungen entstehen“, so Hagmann. Entscheidend sei, dass mögliche Reformen von einem praxistauglichen Ersatzinstrument begleitet würden.

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