Das tödliche Zugunglück von Riedlingen: Ein Jahr danach
Das tödliche Zugunglück von Riedlingen

Vor genau einem Jahr, am 27. Juli 2025, entgleiste ein Regionalexpress bei Riedlingen im Landkreis Biberach nach einem Hangrutsch. Drei Menschen starben, mehr als 30 wurden verletzt, viele davon schwer. Für die Einsatzkräfte begann ein stundenlanger Kampf auf unwegsamem Gelände – und die Erinnerungen daran sind bis heute allgegenwärtig.

Der Einsatz: Von einem Routineeinsatz zur Katastrophe

Die Feuerwehr war zunächst zu einem vermeintlichen Routineinsatz gerufen worden: Ein umgestürzter Baum sollte auf einer schmalen Straße neben der Bahnstrecke liegen. Als die Einsatzkräfte der Feuerwehrabteilung Zell-Bechingen eintrafen, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. „Sie sind von null auf Hundert in eine Situation gekommen, die außergewöhnlich und natürlich auch chaotisch war“, berichtet Stefan Kuc, Stadtbrandmeister der Feuerwehr Riedlingen.

Der Regionalexpress war nach einem Hangrutsch entgleist und gegen einen Baum geprallt. Mehrere Waggons lagen neben den Gleisen, Fahrgäste riefen um Hilfe. Die Verletzten mussten aus den verkeilten Waggons befreit werden – ein schwieriges Unterfangen auf dem steilen und bewachsenen Gelände. „Die Böschung war bewachsen mit kleinen Bäumen und Sträuchern“, erinnert sich Thomas Steinhardt, der damalige Einsatzleiter.

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Die Opfer und die Rettung

Die Leichen des Lokführers, eines Auszubildenden der Bahn und einer 70-jährigen Frau wurden schnell entdeckt. „Wir mussten die Leute so schnell wie möglich aus dem Zug kriegen und nach oben bringen“, sagt Kuc. Die Rettungskräfte arbeiteten stundenlang unter schwierigen Bedingungen bei Regen. Innerhalb von eineinhalb Stunden gab es erste Gewissheit über die Zahl der Toten und Verletzten.

„Zum offenen Fenster hat ein Mann herausgeschaut, blutüberströmt“, berichtet Steinhardt. Er habe ihm gesagt, dass drei oder vier weitere Fahrgäste eingeklemmt seien, darunter eine schwangere Frau. „Hilfe kommt, hab’ ich gesagt.“ Während der Rettung drückte ein erschöpfter Rettungsdienstler Kuc plötzlich ein kleines Mädchen in den Arm, das nach seinen Eltern und Geschwistern suchte. „Das werde ich auch nie vergessen“, so der 50-Jährige. Die Familie des Mädchens überlebte glücklicherweise.

Der lange Einsatz und die Nachwirkungen

Die Alarmierung erfolgte um 18:13 Uhr, der Einsatz dauerte bis etwa 4:00 Uhr am nächsten Morgen. Rettungshubschrauber landeten auf nahe gelegenen Wiesen, Krankenhäuser in der Region bereiteten sich auf den Massenanfall von Verletzten vor. Anwohner halfen bei der Versorgung der Betroffenen und der Einsatzkräfte. „Der Zusammenhalt der Ortschaft war groß“, sagt Kuc. Viele nahmen in den Tagen danach Urlaub, um zu helfen.

Nach solch einem Einsatz geht man nicht gleich heim, man sitzt noch zusammen und redet miteinander“, erklärt Kuc. Das sei der erste Schritt der Aufarbeitung. Doch viele Kameraden hätten bis heute Probleme. „Vergessen kann man es nicht. Manchen ist es unter die Haut gegangen. Ich weiß, dass das Datum oder die Zugnummer tätowiert wurde.“ Auch für Steinhardt und Kuc reicht ein Blick auf die Gleise, und die Bilder kehren sofort zurück. „Das kommt sofort“, sagt Steinhardt an der Unfallstelle.

Ursache und Ermittlungen

Laut einem Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung hatte ein Hangrutsch die Katastrophe ausgelöst. Nach heftigem Regen war Erdreich auf die Gleise geraten. Der Zug prallte gegen das Hindernis, entgleiste, fuhr die Böschung hoch und kippte gegen einen Baum. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen; ein geologisches Gutachten steht aus. Heute gedenken die Hinterbliebenen der Opfer in einem Gottesdienst an der Unglücksstelle.

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