Bayern startet Klima-Dashboard – Echtzeitdaten größtenteils aus 2025
Bayerns Klima-Dashboard online: Nur wenig aktuelle Daten

Fast genau ein Jahr nachdem die bayerische Staatsregierung ihren letzten Klimabericht veröffentlicht hatte, ist nun ein digitales Dashboard online. Das von Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) vorgestellte Portal soll laut Ministerium „alle relevanten Informationen zum Klima in Bayern“ bündeln. Doch die angekündigten Echtzeitdaten sind bislang Mangelware: Die aktuellsten Temperaturtrends stammen aus dem Jahr 2025, ebenso die Angaben zu eingesparten Treibhausgasen.

Minister Glauber wirbt für digitales Tool

„Es gibt jetzt ein digitales Tool. Sie können alle Klimadaten mit dem heutigen Tag auf der LfU-Seite direkt anklicken, abrufen und damit eine tatsächlich auch Echtzeitinformationen, alles rund um Wetter, Klima, Freistaat Bayern abrufen“, sagte Glauber nach einer Kabinettssitzung am Starnberger See. Die Internetadresse lautet https://klimadashboard.bayern.de/. Als konkretes Beispiel führte der Minister die CO2-Konzentration an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze an: Diese sei seit Januar 2002 um mehr als 88 Prozent gestiegen.

Startversion mit Datenlücken

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums, dass es sich bei dem Dashboard um eine „Startversion“ handele, die sich noch im Aufbau befinde. Zudem stellte er klar: „Unter dem Begriff ‚Echtzeit‘ verstehen wir hier nicht die Erhebung der Daten, sondern den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wo nur zu bestimmten Stichtagen Daten erhoben werden, werden diese unmittelbar im Dashboard hinterlegt.“ Damit relativierte der Sprecher die Ankündigung Glaubers, der noch von tagesaktuellen Werten gesprochen hatte.

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Hintergrund: Abschaffung des Klimaberichts

Die bayerische Staatsregierung hatte 2025 ihren letzten gedruckten Klimabericht veröffentlicht und anschließend die Pflicht zur Berichterstattung abgeschafft. Als Grund nannte die Regierung den forcierten Bürokratieabbau. Die Erstellung des Berichtes binde „in hohem Maße Arbeitskraft“, hieß es im damaligen Gesetzentwurf. Laut Glauber entsteht durch das neue Dashboard keine Mehrarbeit: „Wir haben eine unglaubliche Menge an Daten, die wir tatsächlich über das Landesamt für Umwelt in Bayern erheben. Die Weiterverarbeitung erfolgt automatisch, da gibt es keinen Menschen mehr, der dort arbeitet.“

Kritik von Opposition und Umweltverbänden

Sowohl Umweltorganisationen als auch Vertreter von SPD und Grünen im Landtag hatten die Abschaffung des Klimaberichts bereits im Vorfeld heftig kritisiert. Sie werfen der Staatsregierung vor, damit die notwendige Transparenz beim Klimawandel zu verhindern. Der bisherige Klimabericht hatte in früheren Jahren immer wieder Probleme bei der Umsetzung des Klimaschutzes aufgezeigt – etwa, weil die angestrebte Reduzierung der Treibhausgasemissionen nicht im nötigen Tempo vorankam. Das neue Dashboard bietet nach Ansicht der Kritiker bislang keine ausreichende Alternative, da aktuelle Daten fehlen und die Aufbereitung nicht den detaillierten Analysen des alten Berichts entspricht.

Ausblick: Ausbau des Dashboards geplant

Das Umweltministerium kündigte an, das Dashboard schrittweise zu erweitern. Welche Daten genau hinzukommen sollen und in welchem Rhythmus sie aktualisiert werden, ließ der Sprecher offen. Bürgerinnen und Bürger können sich zunächst über die bereits verfügbaren Informationen – etwa zur CO2-Konzentration, zu Temperaturtrends und zu Treibhausgas-Einsparungen – informieren. Umweltminister Glauber zeigte sich zuversichtlich, dass das Dashboard mit der Zeit das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen werde: „Das Thema Klimaschutz wird mit der neuen Internetseite für die Bürger noch sichtbarer.“ Ob das Dashboard den abgeschafften Bericht tatsächlich ersetzen kann, bleibt abzuwarten – insbesondere, weil die aktuellsten Daten aus 2025 stammen und nicht, wie ursprünglich versprochen, tagesaktuell sind.

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